Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.5 <Haslinger 18321220>

Cassel den 20sten
Dec. 1832.

Geehrter Freund,

Mit der heutigen fahrenden Post ist der 3te Theil der Schule an Sie abgegangen.
Es ist mir sehr lieb, daß Sie auf den neuen Titel ganz einfach meinen Namen ohne alle Titulatur setzen wollen. Was das Subscribenten-Verzeichnis betrifft, so wünschte ich (wenn Sie nicht etwa ein besonderes Interesse haben, daß es gedruckt werde), daß es lieber wegbleibe, 1.) weil es ohnmöglich für die Käufer irgend ein Interesse haben kann und 2.) weil es nicht die wirklichen Abnehmer (nicht einen Geiger), sondern nur die Namen der1 Kommissionaire und Musikhandlungen enthält.
Um meine neue Sinfonie „Die Weihe der Töne“ bey Ihnen in einer schönen und correkten Ausgabe erscheinen zu sehen, will ich gern bis nächsten Sommer auf deren Herausgabe warten. Das Honorar habe ich, inclusive der Erlaubnis zu allen beliebigen Arrangements, auf 300 Rth. Preußisch Cour. festgesetzt und ich glaube, daß dieß billig ist, da das Werk, wenn es sich2 in seiner ursprünglichen Gestalt auch nur3 an große Orchester verkauft, doch in Arrangements, wegen seiner Neuheit, ein großes Publikum finden wird. - Das Gesuch des Herrn Binder „die Sinfonie zur Aufführung in einem der 3 großen Concerte, die die Künstler in Wien diesen Winter geben, herzuleihen“ glaubte ich, da er Ihrer im Brief4 erwähnte, auf Ihre Veranlassung gestellt und ich hatte es daher, bevor ich Ihren letzten Brief erhielt, bereits zugesagt. Ich werde daher, nachdem die Sinfonie hier den Sonntag über 8 Tage nochmals auf vielfältiges Begehren gegeben worden ist, so frei seyn, dieselbe an Sie abzusenden und bitte Sie recht sehr, Partitur und Stimmen nach jeder Probe wieder in Verwahrung zu nehmen, damit kein Mißbrauch damit getrieben wird. [Die Auslagen an Porto lassen Sie sich wohl gefälligst von Herrn Binder erstatten.]5 Ferner bitte ich Sie dringend, darüber zu wachen, daß die Besetzung möglichst gut sey und daß das Werk mit Ausdauer und Fleiß eingeübt werde. Zwar habe ich auch schon Herrn Binder diese Bedingung gestellt, allein meine Besorgnis, daß man nur aus dem gröbsten probire und in den Geist des Werks nicht eindringe, ist dadurch nicht gehoben. Es müssen (auch mit dem geübtesten Orchester), wenigstens 3 abgesonderte Proben stattfinden.
Wenn Sie das Werk durch Ansicht haben kennen lernen, so bitte ich dann um bald gefällige Entschließung, ob Sie dessen Verlag unter den gestellten Bedingungen zu übernehmen, gewilligt sind.
Mit vorzüglichster Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

NS. Das Subscribenten-Verzeichnis liegt bey der Correktur.6

Erwähnte Personen: Binder, Sebastian
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Violinschule
Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1832122022

http://bit.ly/2n3ODva

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Haslinger an Spohr, 02.12.1832. Haslinger beantwortete diesen Brief am 01.01.1833, wobei sich der Postweg des Antwortbriefs mit dem von Spohr an Haslinger, 31.12.1832 überschnitt.

[1] „Namen der“ über der Zeile eingefügt.

[2] „sich“ am linken Rand eingefügt.

[3] Hier gestrichen: „sich“.

[4] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[5] Am linken Rand eingefügt.

[6] Am Fuß der letzten Seite befinden sich von anderer Hand Empfangs- und Antwortvermerk des Verlags: „Spohr in Cassel / 20 Dez. 1832. / erhalten _ 27 Dez. / beantw. _ 1 Jan 833.“

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (03.04.2017).