Autograf: Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden, Schriftgutsammlung, Sign. SMD_SD_2021_00189
Digitale Edition: Museen der Stadt Dresden – Sammlungen Online

Nenndorf den 10ᵗᵉⁿ
Juli 1832.

Geehrter Freund,

Sie haben mir erlaubt, Ihnen die Maaße zuzuschicken, die wir leider erst vorgestern erhalten haben1, so, daß es nun unmöglich ist, daß das Haartuch noch während unsers hiesigen Aufenthalts ankomme. Wollen Sie aber (nach der Bestimmung Ihres Tapeziers2) nun gütigst die Bestellung des Zeugs für ein Kanapee und 12 Stühle in der Fabrique zu Hamburg übernehmen, so könnte es vielleicht direkt nach Cassel adressiert werden, damit Sie nicht nochmals mit der Versendung nach Cassel incommodirt3 würden. Es hat damit übrigens nun gar keine Eile, da es doch erst im Herbst gebraucht werden wird. Ich sehe dann Ihrer gefälligen Bestimmung entgegen, an wen oder wohin ich das Geld zu bezahlen habe.
Gestern gab Gerke Concert. Er hatte etwa 50 Zuhörer und der Ertrag war daher sehr unbedeutend. Ich will hoffen daß Ihr Flötist4, der wie ich höre, übermorgen Concert geben wird, bessere Geschäfte macht. Noch ist hier ein unglücklicher Mensch ein Dr. Wittich, dramatischer Vorleser und Declamator, der durchaus etwas veranstalten muß, um weiter reisen zu können. Einige Leute, die sich für ihn interessiren, quälen mich ihm etwas zu Spielen und hoffen dann einen günstigern Erfolg. Ich würde das gern thun, wenn ich ein gutes Quartetsacompagnement hätte.
Vielleicht bringt Herr Heinemeier ein solches mit. Wenn sich dann die Herren bewegen ließen einen Tag länger hier zu verweilen, so könnte vielleicht in der Geschwindigkeit etwas für den armen Menschen veranstaltet werden.
Daß davon erst nach dem Concert des Herrn Heinemeier die Rede seyn dürfte, versteht sich von selbst. Ich theile Ihnen dieß mit, weil ich von dem Violoncellisten, der gestern mit Gerke hier war, hörte, Sie würden vielleicht noch einmal herüberkommen und dann den natürlichen Wunsch hege[n] daß dieß an dem Tage seyn mögte, wo ich spiele, um wenigstens einen ordentlichen Zuhörer zu haben; denn von den jezt anwesenden Badegästen scheint niemand etwas von Musik zu verstehen. Dieß würde dann, wenn sich mein Plan ausführen läßt, der Freitag seyn.
Unser hiesiger Aufenthalt wird bis morgen über 8 Tage dauern. Unsere Rückreise werden wir über Eilsen und Pyrmont machen und einige Tage bey meinem Bruder5 in Holzminden verweilen.
Die herzlichsten Grüße von uns an die lieben Ihrigen.
Mit wahrer Freundschaft stets ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Nachschrift am 11ᵗᵉⁿ. Das Concert für Herrn Wittich ist nun bis zum Montage verschoben. Ich hoffe die Herren aus Hannover dahin zu bereden, daß sie alsdann werden kommen.6

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hausmann, Bernhard
Erwähnte Personen: Gerke, Otto
Heinemeyer, Christian
Spohr, Carl (Bruder von Louis Spohr)
Wittch (Deklamator)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Eilsen
Holzminden
Nenndorf
Pyrmont
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1832071017

http://bit.ly/3DxI4E9

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Hausmann an Spohr, 26.06.1832. Hausmanns Antwortbrief vom 24.11.1832 ist derzeit verschollen.

[1] Dieser Brief von Ida Wolff an Dorette und Louis Spohr ist derzeit verschollen.

[2] Polsterer

[3]incommodieren, belästigen, beschweren (Friedrich Erdmann Petri, Gedrängtes Deutschungs-Wörterbuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter entstellenden fremden Ausdrücke, zu deren Verstehn und Vermeiden, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 237).

[4] Der weiter unten namentlich erwähnte Christian Heinemeier.

[5] Carl Spohr.

[6] Auf der letzten Seite steht auf dem oberen Rand der Antwortvermerk von Hausmann: „ret 24Novbr.“

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.10.2021).