Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 218f.

Cassel den 23sten
März 1832.

Wohlgeborner Herr,

Wegen meiner Violinschule befand ich mich, nach Vollendung derselben, in großer Verlegenheit, da nicht weniger als 5 Verleger1 darauf Anspruch machten. Anfangs beschloß ich, sie dem in Verlag zu geben, der mir das höchste Gebot thun würde; doch verwarf ich dies, als meiner bisherigen Handlungsweise wenig angemessen, bald wieder. Nun blieb mir nichts übrig, als sie in der Folge anzubieten, wie mir die Ansprüche am begründetsten schienen. Die nächsten hatte hatte nun ohnstreitig Herr Schlesinger; doch er weigerte, meine Forderung zu bewilligen und so lösete sich dann unsere Geschäftsverbindung für immer auf. Nun mußte ich sie Herrn Haslinger antragen, dessen Vorgänger schon vor fast 20 Jahren mich aufforderte, für seinen Verlag eine Schule zu schreiben. Hierauf,2 und auf meine damalige Zusage sich stützend, hatte mich Herr Haslinger in der lezten Zeit sehr gedrängt. – Wäre auch von ihm meine Forderung nicht bewilligt worden, so hätte ich nun zunächst bey Ihnen angefragt; – doch Herr Haslinger sagte mit umgehender Post zu3, und so war das Geschäft abgeschlossen. – Sollten Sie aber den Wunsch hegen, von nun an wieder ein und das andere meiner Manuscripte zu verlegen, so werde ich mich freuen mit einer Handlung, die so viele meiner Werke herausgab, von neuem in Verbindung zu treten und trage Ihnen daher, für diesen Fall, sogleich 3 neue Violinquartetten4, von welchen ich das 3te soeben beendige, zum Verlag an. Das Honorar würde das selbe seyn, welches mir Herr Schlesinger für die 3, bey ihm erschienenen Quartetten5 bezahlt hat, nämlich 80 Friedrichsd’or in Gold oder deren Werth.
Sollte Ihnen aber diese Kompositionsgattung jezt nicht genehm seyn, so findet sich auch wohl in der Folge irgend etwas anderes unter den Sachen die ich zunächst schreiben werde, was Ihren Wünschen entspricht.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ew. Wohlgeb.
ergebener
Louis Spohr6

Erwähnte Personen: Haslinger, Tobias
Schlesinger, Adolph Martin
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 82
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 84
Spohr, Louis : Violinschule
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Haslinger <Wien>
Schlesinger <Berlin>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1832032320

http://bit.ly/2mQ7V48

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Böhme an Spohr. Böhmes Antwort vom 27.03.1832 ist derzeit ebenfalls verschollen.

[1] Außer dem Verlag Peters sowie den im Folgenden genannten Schlesinger und Haslinger auch Probst; der fünfte Verleger ist noch nicht identifiziert.

[2] Hier gestrichen: „sich“.

[3] Vgl. Tobias Haslinger an Spohr, 20.12.1831.

[4] Op. 84.

[5] Op. 82.

[6] Auf der letzten Seite des Briefs befindet sich von anderer Hand der Eingangsvermerk des Verlags: „Cassel d. 23 März 1832. / Spohr. / empf / beant. 27 Do“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (17.03.2017).