Autograf: Universitätsbibliothek Basel (CH-Bu), Sign. NL 57 : A:I:b:25

Sr. Hochwohlgeb.
Dem Herrn Kammerrath
Reiter
in
Wertheim.


Cassel den 10ten Sept.
1832.

Hochwohlgeborner
Hochgeehrtester Herr Kammerrath,

Ihr Sohn hat auch in der letzten Zeit wieder bemerkbare Fortschritte gemacht und ist jezt ohne allen Zweifel so weit, daß er von nun an ohne Nachtheil seine Studien allein, ohne Aufsicht eines Lehrers, fortsetzen kann. Seine, schon früher von mir gerühmten, Vorzüge haben sich noch weiter ausgebildet; er entlockt dem Instrument einen schönen Ton und besizt Geschmack und gefühl im Vortrage. Das, was ihm noch abgeht, ist hauptsächlich Sicherheit im Technischen. Diese wird nur durch anhaltenden Fleiß und ein zweckmäßiges Üben in den Knabenjahren erworben und ist dieß einmal versäumt, so ist es fast ohnmöglich, es durch späten Fleiß ganz wird einzubringen. Indessen reicht seine Fertigkeit doch hin, um alle meine Solosachen spielen zu können, die leichtern auch öffentlich. - Er hat seit Ostern hier sehr oft öffentlich gespielt und stets mit vielem und wohlverdienten Beyfall! - Es wäre sehr zu wünschen, daß er, damit sein Eifer nicht erkalte, nun einen Aufenthalt in einer größern Stadt, wo viel Musik gemacht wird, nehmen könnte; leider hält es nur jezt sehr schwer eine Anstellung für einen jungen Künstler zu finden, da um jede Vakanz sich gleich deutzen von Candidaten melden. Könnten Sie ihm nicht in München, Stuttgart oder Carlsruhe zu einer Anstellung oder wenistens eine Anwartschaft zu einer solchen verhelfen?
Mit dem herzlichsten Wunsche [daß Sie] an diesem Sohne, den wir hier wegen seines stets sittlichen und bescheidenen Betragens sehr lieb gewonnen haben, recht viele Freude erleben mögen, unterzeichne ich mit ausgezeichneter Hochachtung

Ew. Hochwohlgeb.
ergebenster
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Reiter, Ernst
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1831091010

http://bit.ly/2zeWlaC

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Reiter, 06.04.1831.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.12.2017).