Autograf: Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden, Schriftgutsammlung, Sign. SMD_SD_2021_00186
Digitale Edition: Museen der Stadt Dresden – Sammlungen Online


Sr. Wohlgeb.
Herrn B. Hausmann
in
Hannover.

franco.1


Cassel den 10ᵗᵉⁿ
Aprill 1831.

Geehrtester Freund

Einer meiner Schüler, ein junger Engländer2, der sich zu einem ausgezeichneten Virtuosen ausgebildet hat, hegt den Wunsch, sich vor seiner Rückkehr nach London, einen Stradivarius anzuschaffen. Seine Eltern haben ihm das dazu nöthige Geld gegeben und es kömmt jezt nur darauf an, ein unversehrtes und tüchtiges Instrument, wie es für seine, wirklich ausgezeichnete Virtuosität paßt, aufzufinden. Hätten Sie nicht vielleicht Lust, eine von Ihren Stradivari-Geigen wegzugeben? Oder ist dieß nicht der Fall, glauben Sie nicht, daß Müller in Braunschweig eine seiner beyden Geigen verkaufen möchte? Oder wissen Sie nicht vielleicht sonst eine gutconservirte Stradivari, sie zu haben wäre?
Hofmann in Frankfurt hat mir vor ein paar Tagen seinen Jos. Guarnerius angeboten3; allein erstlich will mein Schüler lieber eine Stradivari und dann ist Hofmanns Geige mehr schön wie gut. Auf diese würde ich daher nur reflectiren, wenn keine andere zu haben wäre.4
Sie würden mich recht sehr verbinden, wenn Sie die Güte hätten, mir recht bald einige Zeilen Antwort auf obige Anfragen zukommen zu lassen.
Unserm Theater, so wie uns, den, mit Rescripten auf Lebenszeit angestellten, hat ein kurfürstl. Gewaltstreich gedroht! Wir haben in bester Form protestirt und ich hoffe es wird mit5 dem Schreck abgehen!6 – Jedenfals wird der morgen beginnende Landtag unsere Verhältniße feststellen.
Die herzlichsten Grüße von Meinigen an Ihre liebe Familie.
Mit wahrer Freundschaft stets ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hausmann, Bernhard
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Hoffmann, Heinrich Anton
Mawkes, Thomas
Müller, Karl (Vater)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1831041017

http://bit.ly/3uJXsds

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Hausmann an Spohr, 13.05.1830. Hausmanns Antwortbrief vom 12.04.1831 ist derzeit ebenfalls verschollen.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „CASSEL / 10 APR 1831“, über dem Adressfeld befindet sich der Stempel „12 / APR“. Außerdem befindet sich neben dem Adressfeld Hausmanns Antwortvermerk: „ret 12 D“.

[2] Thomas Mawkes.

[3] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[4] Vgl. dagegen: „It belonged to Mr. Mawkes, formerly distinguished as an excellent performer […] He bought it in 1831, at Spohr’s recommendation, from Professor Hoffmann, of Frankfort, when he was studying under the former celebrated musician at Hesse Cassel. […] Spohr told Mr. Mawkes, if he could purchase it, he would have one of the finest instruments in the world; and he would have given his famous Stradiuarius [sic!] in exchange for it“ (William Sandys und Simon Andrew Forster, The History of the Violin and other Instruments played on with the Bow from the remotest Times to the Present, London 1864, S. 233f.).

[5] „mit“ über der Zeile eingefügt.

[6] Der Prinzregent und spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm schloss das Hoftheater. Die meisten Mitglieder der Hofkapelle blieben jedoch im Dienst, da sie auf Lebenszeit eingestellt waren (vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 30.06.1831).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.10.2021).