Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Spohr, Ernestine 18310322>
Druck: Autographen aus allen Gebieten. Auktion am 27. und 28. Juni 1990 im Marburger Rathaus (= Katalog Stargardt 647), Marburg 1990, S. 315 (teilweise)

Der
Frau Medicinal-Räthin
Spohr Wohlgeb.
in
Gandersheim.
über Göttingen.

franco.


Cassel den 22sten
März 1831.

Liebe Mutter,

Zuerst unsern herzlichen Dank, daß Sie zur Verwirklichung unseres Wunsches gleich die nöthigen Schritte gethan haben. Wir nehmen für die Sommermonathe Crämers1 Anerbiethen mit Dank an. In der Folge, hoffe ich, wird sich Line’s2 Haushalt noch ökonomischer einrichten lassen, damit von dem, was sie in den ersten Jahren einzunehmen haben wird, für die Zeit, wo die Erziehung der Kinder mehr wie jezt kosten wird, etwas zurücklegen kann, welches um so nöthiger seyn mögte, da ihre Einnahme für die Folge wenig gesichert ist. Zuerst will ihr nämlich ihr Onkel Robert, so lange er seinen jetzigen Gehalt hat, jährlich 60 Rth geben; 2tens erhält sie aus unserer Orchesterkasse jährlich 50 Rth. Diese Summe muß aber auch verringert werden, wenn wir noch mehr Wittwen wie jezt zu unterstützen bekommen. Drittens wird sie von mir eine Unterstützung bekommen, die ihr wohl sicher ist, so lange ich lebe, es sey denn, daß ich in Pension gesezt und bedeutend am Gehalt gekürzt würde. - Außerdem habe ich die nöthigen Schritte gethan, um ihr, wo möglich, eine Pension zu verschaffen, doch habe ich bey dem jetzigen Stande der Sachen hier, wenig Aussicht dazu! - Doch von allen diesem mündlich das Mehrere, denn wir haben uns nun fest vorgenommen, die Line nach Gandersheim zu begleiten. Da ich leider an den beyden Ostertagen3 in einer Weise beschäftigt bin, daß ich mich nicht losmachen kann, so können wir erst Dienstag, den 5ten Aprill Morgens 4-5 Uhr von hier abreisen. Da wir aber mit der Extrapost gehen, so hoffen wir doch Nachmittags noch früh genug anzukommen, um an der Hochzeitsfreude4 Theil nehmen zu können. Da Ihr Haus schon übervoll seyn wird, so bitte ich, daß Sie mir bey Deichmann ein paar Zimmer bestellen wollen, die wir bey unserer Ankunft zum Ausruhen und Umkleiden für die Frauenzimmer fertig finden.
Um in’s künftige in Ihrer Nähe wohnen zu können, will die Line von ihren Meublen so viel behalten als sie zur Meublirung von 2 Zimmern nöthig hab[en wird.] Diese werde ich nebst Betten und [Textverlust] durch einen eigenen Fuhrmann in der [näch]sten Woche direkt nach Gandersheim schicken. Bis dahin, wo sie sich selbst einrichtet, kann Carl ihr wohl einen Theil dieser Sachen in seiner geräumigen Wohnung aufbewahren.
Alles übrige mündlich. Die herzlichsten Grüße von allen an alle.
Mit inniger Liebe stets

Ihr
gehors. Sohn
L. Spohr.

Erwähnte Personen: Deichmann, August
Krämer, Ferdinand
Robert, Ernst Friedrich Ferdinand
Spohr, Carl (Bruder von Louis Spohr)
Spohr, Caroline (Ehefrau von Ferdinand Spohr)
Spohr, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Gandersheim
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1831032200

http://bit.ly/2qOdjZN

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Ernestine Spohr an Louis Spohr.

[1] Spohrs Schwager Ferdinand Krämer.

[2] Caroline Spohr, die Witwe von Spohrs Bruder Ferdinand, der am 10.03.1831 verstarb.

[3] 03. und 04.04.1831.

[4] Die Heirat von Spohrs Bruder Carl mit Ina geb. Eigner am 05.04.1831 (vgl. [Ludwig] Spohr, Spohr'sches Familienbuch. Genealogie der Familie Spohr aus Alfeld und kleine Beiträge zu einer Familien-Chronik, Karlsruhe 1909, S. 41).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.05.2017).