Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.1 <18300501>

Cassel am 1sten Mai
1830

Wohlgeborner,
Hochgeehrter Herr,

Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die neuen Gaben sowie für Ihr freundliches Schreiben. Das Quartett haben wir vor 8 Tagen gemacht und es hat uns und den Zuhörern wohlgefallen. Im ersten Allegro hat mir die thematische Durchführung ein wenig monoton geschienen. Ich freue mich, daß Sie sich auch in dieser Kompositionsgattung versuchen, wo so selten etwas neues und unter diesem noch seltener etwas gutes gegeben wird.1
Meine neue Oper in 3 Akten Der Alchymist ist nun bis auf die Ouverture vollendet und heute früh an die Sänger ausgetheilt worden. Sie wird noch vor den Ferien einstudirt, aber erst am 28sten Juli, dem Geburtstage des Kurfürsten gegeben werden. - Fräulein Schätzel aus Berlin wird in 14 Tagen zu uns kommen und auch in Faust und Jessonda singen.2 Auch Paganini will uns endlich beglücken und einige Concerte hier geben.
Herr Riehm ist bereits hier. Ich bitte daher den Brief an ihn zu vernichten. Die Einlage bitte ich an Herrn Stein abzugeben. Er ist nicht mehr dort engagirt, Sie werden aber doch seine Wohnung im Theater leicht erfragen können.
Indem ich um Fortsetzung Ihrer interessanten musikalischen Nachrichten recht sehr bitte unterzeichne ich hochachtungsvoll

Ew. Wohlgeb.
ergebenster
Louis Spohr.

An Herrn Naß und seine Gemahlin die herzlichsten Grüße.

Erwähnte Personen: Nass, Franz
Paganini, Niccolò
Riehm, Ferdinand
Schätzel, Pauline
Stein
Erwähnte Kompositionen: Hesse, Adolph : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 23
Spohr, Louis : Der Alchymist
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1830050101

http://bit.ly/1sTkrLm

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen verschollenen Brief von Hesse an Spohr. Hesses Antwortbriefe sind derzeit ebenfalls verschollen.

[1] Möglicherweise lag Spohr bereits der Druck bei Leuckhardt vor (vgl. die Rezension in: Berliner allgemeine musikalische Zeitung 7 (1830), S. 260).

[2] Zu Pauline Schätzels Gastspiel in Kassel liegen bislang keine weiteren Quellen vor.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders vermerkt: Karl Traugott Goldbach (21.11.2014).