Autograf: Stadtbibliothek Hannover (D-HVs), Sign. Handschriftenarchiv
Druck: Autographen aus verschiedenem Besitz. Auktion am 29. und 30. November 1966 (= Katalog Stargardt 577), Marburg 1966, S. 162 (teilweise)

Leipzig am 5ten Januar 1830.

Hochgeehrtester Herr Capellmeister!

Indem ich mir die Freiheit nehme Ihnen zu melden, daß am 22ten Decbr. 29 zum 1t, u am 2t Januar 30 meine neue Oper Der Templer und die Jüdin, mit allgemeinem Beifall aufgeführt worden ist1, hege ich zugleich die Hoffnung mit meinem Antrage glücklicher zu seyn als mit dem Vampyr, und daß sie unter Ihrer vortrefflichen Leitung gewiß auch in Cassel nicht spurlos vorüber gehen wird. Ich werde stolz darauf sein, mich von Ihnen mit einem Auftrag deshalb beehrt zu sein. Um nun auch bald mit der merkantilistischen zu Ende zu sein, so nenne ich Ihnen den Preis (30 frd'or) auch nur schnell.
Jetzt noch zu etwas andrem. Am 12 Decbr. wurde zum Besten des Mathias und der Katharina Podhorsky zum 1t male mein Vampyr gegeben. Das kann sie nun freilich nicht sehr interessieren, vielleicht aber thut das eine dem Tageszettel beigefügte Notiz um so mehr. Sie heißt: „Die mit Einwilligung des Churfürstl. Hessischen Hofkapellmeisters Herrn Louis Spohr eingelegten zwei Gesangstücke aus seiner Oper: Jessonda, wurden von Mad. Podhorsky und Herrn Binder im 2t Akte vorgetragen.2
So höchste ehrenvoll u. schmeichelhaft mir diese Vermischung mit Ihnen, werther Herr Kapellmeister ist, so wünschte ich doch gern zu erfahren, ob diese Bewilligung oder Erlaubniß von Ihnen wirklich eingeholt worden ist. Ist sie es nicht, wie ich fast fürchte, so glaube ich es unser Pflicht gegen diese Anmaßung eines solchen Comödianten wie Herr Binder (denn von ihm geht sie aus, wie ich gewiß weiß) rügend aufzutreten. Ihre geehrte, hoffentlich baldige Erwiederung wird wohl Licht in die Sache bringen.
Mit der Versicherung meiner höchsten Achtung, habe ich die Ehre zu zeichnen

Ew. Wohlgeboren
Ergebenster
Heinr. Marschner.

Erwähnte Personen: Binder, Sebastian
Podhorsky, Katharina
Podhorsky, Mathias
Erwähnte Kompositionen: Marschner, Heinrich : Der Templer und die Jüdin
Marschner, Heinrich : Der Vampyr
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Leipzig
Erwähnte Institutionen: Stadttheater <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1830010545

http://bit.ly/2eakbrr

Spohr



Spohr beantwortete diesen Brief am 10.01.1830.

[1] Vgl. „Leipzig”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 32 (1830), Sp. 12f.

[2] Vgl. „Prag”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 32 (1830), Sp. 130-144, hier Sp. 139.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.10.2016).