Autograf: nicht ermittelt
Kopierbuch: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 5025, S. 23

Cassel
Capelmeister Spohr


den 19ten Febr. 1829.

Ew. Wohlgeboren

geehrtes Schreiben vom 11. dieses bin ich heute so frei ergebenst zu beantworten, und wenn Sie darin zu meinem Bedauern die Unmöglichkeit aussprechen, meine Bitte für den Augenblick erfüllen zu können, so erfreuen Sie mich dennoch, mit der gegebenen Hoffnung, daß dies ins Künftige von Ihrer Güte geschehen soll.
Herr Schlesinger bittet Sie verehrter Herr Kapellmeister um alle Manuscripte, – meine Bitten sind gewiss eben so angelegentlich, doch bin ich darinn bescheiden, – indem ich es nicht wagen würde Ihnen Bedingungen dieser umfassenden Art zuzurathen, wenn Sie sich aus [???]lenden Gesinnungen nicht selbst dazu bewogen sehen möchten.
In ganz besonderer Verlegenheit befinde ich mich übrigens durch die verzögerte Erfüllung Ihres geneigten in frühern Briefen gegebenen Versprechens, indem mir Herr Leede bei Uebernahme des
Geschäfts versicherte, daß ich fest auf den Empfang der schon mit Ihnen verabredeten

Etudes für Violine1
Potpourri für Violine & Pianoforte2

bauen könne, – denn sonst würde ich nicht so unbedachtsam diese Werke als spätestens zur nächsten Ostermesse erscheinend, – bei denen mehrsten bei meinen Abnehmern vorläufig angekündigt haben, und um nicht ganz unverschuldet als unwahr betrachtet zu werden, bleibt mir zur nächsten Ostermesse nun nichts übrig, als sämtliche Freunde wieder bis zur Michael Messe damit zu vertrösten!
Ist es mir daher gelungen Sie sonach von der Dringlichkeit meines Gesuchs gewiss zu überzeugen, so erneuere ich hiermit die gehorsamste Bitte um die Manuscript im nächsten Sommer.
Einen Vorwurf könnte Ihnen selbst Schlesinger darüber nicht machen, wenn Sie ihm schon alles bestimmt versprochen hätten, – indem Sie sonach ja nur die Gewogenheit haben, diese von mir besonders gewünschte schon früher von Ihnen zugesagten Werke, auf meine besondere Bestellung für meinen Verlag zu schreiben!
Ueber die Ausstattung meiner Ausgaben, erlaube ich mir nur zu erwähnen, daß Sie so gütig sein wollen, sich davon, durch Novitäten, wovon einiges im nächsten Monath schon, das Mehrste aber wie gewöhnlich zur Ostermesse versendet wird, – selbst zu informieren, wo ich hoffen darf Ihr günstiges Urtheil darüber bestätigt zu sehen.
Da Sie die Sommerferien zu neuen Geistesproducten anwenden wollen, so gebe ich einstweilen der Hoffnung Raum, daß Sie außer den schon erbetenen Compositionen noch mehreres für mich bestimmen werden.
Schlieslich beschwere ich Sie heute noch mit gefälliger Unterschrift des einliegenden Scheins, den Sie aber ja unfrankirt an mich retourieren wollen, damit Ihnen nicht noch Unkosten zu Theil werden. Wir sollen nehmlich für unsern Verlag einregistrieren lassen, und zugleich das Eigenthum bescheinigen, welches letztere wie ich vidimirte3 Auszüge aus deren Handlungbüchern wenigstens 10 Rth. Gerichtsspesen verursachen würde welche erspart und zu einem bessern Zweck verwendet werden können
Bei Uebersicht dieser Werke beseelt mich die Hoffnung daß Ew. Wohlgebohren nicht von einer Verlagshandlung scheiden werden, mit welcher Sie in einer fortlaufenden Reihe von Jahren auf den freundschaftlichsten Fuß in lebhaftester Geschäftsverbindung standen, und mich ins besondere noch in Ihr geneigtes Wohlwollen angelegentlichst empfehlend, bin ich stets mit der ausgezeichnetsten Hochachtung pp.

Erwähnte Personen: Leede, Christian Friedrich Erdmann
Schlesinger, Adolph Martin
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1829021950

http://bit.ly/2mN0BpV

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Böhme, 11.02.1829. Spohr beantwortete diesen Brief am 25.02.1829.

[1] Dieses Werk kam nie zustande; vielleicht war dies ein Anstoß für die Violinschule?

[2] Wohl nie komponiert.

[3] vidimieren = amtlich vergleichen und bestätigen oder für gleichlautend erklären (Friedrich Erdmann Petri, Gedrängtes Deutschungs-Wörterbuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter entstellenden fremden Ausdrücke, zu deren Verstehn und Vermeiden, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 478).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (16.03.2017).