Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,124

Sr. Wohlgeb.
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel den 7ten
Januar 1829.

Geliebter Freund,

Es ist eine Ewigkeit, daß ich keine Nachrichten von Ihnen habe. Schreiben Sie mir doch, wie es Ihnen und den lieben Ihrigen geht! –
Eduard Grund wird unterdem schon in Frankfurt seyn, oder in diesen Tagen ankommen. Geben Sie ihm gefälligst den einliegenden Brief1. Ihn Ihrem Wohlwollen zu empfehlen, wird nicht nöthig seyn; Sie kennen ihn bereits als tüchtigen Künstler und braven Menschen. Er will eine Kunstreise nach Holland machen.
Seit 4 Wochen beschäftige ich mich schon eifrig mit einer Arbeit, die Sie gewiß nicht errathen werden. Ich richte nämlich meine Oper „der Zweykampf mit der Geliebten” für die hiesige Aufführung ein. Doch habe ich, sowohl im Buch wie an der Musik nur wenig zu ändern, am ersteren einige veraltete Ausdrücke und alberne Reime, an der Musik einige musikalische Längen wegzuschneiden, und hie und wieder die Stimmen bequem zu legen. Die Oper wird hier wahrscheinlich besser gefallen wie eine neue, denn die Musik ist faßlich und sehr brillant für die Singstimmen und kann bey uns sehr vorzüglich besetzt werden. Höchst wahrscheinlich wird sie zum Geburtstag des Kurfürsten gegeben werden, da sie sich zu einer Festoper eignet. Zwei von den neuen Quartetten, 2 Clarinettkompositionen und das 12te Violinconcert sind bereits an den Verleger abgeschickt. Das 3te Quartett werde ich nun schreiben.2
Wir hören hier allerley abentheuerliches von dem Frankf. Theater. Wie steht es damit? Ist Hauser schon abgegangen? und wird die Oper von Ries nicht endlich zum 2ten mal gegeben werden?3
Bey uns ist alles wohl und grüßt herzlichst.
Mit inniger Freundschaft stehts ganz

der Ihrige
Louis Spohr.



Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 01.12.1828. Speyers Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Op. 83 ist ein Zyklus von drei Streichquartetten.

[3] Vgl. „Aus Frankfurt a.M., im Januar”, in: Zeitung für die elegante Welt 29 (1829), Sp. 167, 175f. und 183, hier Sp. 183

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (01.03.2016).