Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms.hist.litt.15[161
Beleg: Goetheautographen, Goethe in den Briefen seiner Zeitgenossen, Briefe aus dem Weimarer Kreis, Briefe deutscher Dichter und Schriftsteller, Musikerautographen aus dem Nachlaß Friedrich Schneiders in Dessau († 1853) und anderem Besitz. Versteigerung 19. Mai 1913 (= Katalog Henrici 15), Berlin 1913, S. 61

Sr. Wohlgeb. dem
Herrn Hofkapellmeister
Fr. Schneider
in
Dessau.

franco


Cassel den 26sten
November 28.

Geehrter Freund,

Die Generaldirection unseres Hoftheaters1 giebt mir den angenehmen Auftrag eines Ihrer Oratorien zu verschreiben und läßt mir die Auswahl. Hinsichtlich dieser muß ich mich aber wieder an Sie wenden und Sie bitten das auszuwählen, was die bedeutendsten Soloparthien hat und die wenigsten Ansprüche an einen großen und vorzüglichen Chor macht. Wir gedenken Ihr Oratorium am 1sten Pfingsttage im Theater zu geben.2 Nun habe ich über ein zahlreiches und gut eingeübtes Orchester und vorzügliche Solosänger zu gebiethen, aber nur unsern Theaterchor, verstärkt durch die unbeschäftigten Solosänger, zur Ausführung der Chöre, weshalb ich wünsche, daß das Oratorium wo möglich keine Doppelchöre oder doch nur wenige habe. Unser Chor ist zwar stark (über 50 Personen,) aber wie fast alle Theaterchöre roh und bey weitem der Sänger und des Orchesters nicht würdig. – Nun kennen Sie unsere Mittel und werden nach diesen die Wahl treffen.
Ich bitte um einige Zeilen Antwort und gefällige Bestimmung, wie bald ich die Partitur erhalten kann.
Mit den Gesinnungen innigster Freundschaft stets

Ihr ergebenster
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Feige, Karl
Manger, Ludwig von
Erwähnte Kompositionen: Schneider, Friedrich : Christus der Meister
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1828112612

http://bit.ly/2tEA3fT

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schneider an Spohr, 12.12.1826. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schneider, 28.02.1829.

[1] Diese bestand aus Generaldirektor Karl Feige und Generalintendant Ludwig von Manger.

[2] Die Wahl fiel letztendlich auf Schneiders Oratorium „Christus der Meister“, das am ersten Pfingsttag, 07.06.1829, in Kassel aufgeführt wurde (vgl. „Cassel, den 8ten July“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 31 (1829), Sp. 464f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (03.07.2017).