Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr, L. 11
Druck: Horst Heussner, Die Symphonien Ludwig Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, S. 51, Anm. 2 (teilweise)

Sr. Wohlgeb.
Herrn H. Ries
Königl. Kammermusikus
in
Berlin.

Nebst einem
Paquet in blau
Papier, gez:
H K.R.


Cassel den 17ten
Februar 28.

Lieber Herr Ries,

Indem ich Ihnen beykommend das Buch der Oper Ihres Herrn Bruders übersende, danke ich Ihnen zugleich1 herzlich für Ihren lieben Brief. Auch ich wünsche, daß Ihr Br. Freude an seinem ersten dramatischen Werk2 erleben möge, um so mehr, da ich Veranlassung bin, daß er das Buch, welches früher gar nichts taugte, hat umarbeiten lassen. Leider hat es der Unwahrscheinlichkeiten und anderen Gebrechen immer noch einige, die aber die Musick sicher vergessen machen wird. Wir werden die Oper hier auch geben3 und ich hoffe Ihren Br. dann wieder4 hier zu sehn.
Dem Paquete habe ich, Ihrem Wunsche zu genügen, 3 Harfenkompositionen von mir beygelegt, die Sie sich können abschreiben lassen und um deren baldige Zurücksendung ich dann bitte. Die Stricharten in der Violinstimme müssen Sie sich hinzufügen. Da die Sachen nicht gestochen sind, so bitte ich, sie nicht weiter zu geben. Herr Desarges wird mit seiner Parthie zu thun haben; doch ist5 sie spielbar und meine Frau hat6 alle 3 Kompositionen unzählige Male öffentlich und mit Erfolg vorgetragen.
Vor einiger Zeit habe ich ein 2tes Doppelquartett (es Dur) geschrieben, welches bald erscheinen wird. Jezt arbeite ich am letzten Satz einer großen Sinfonie.
Mit den freundschaftlichsten Gefühlen

stets der Ihrige
L. Spohr.

Herzliche Grüße an Mühlenbruk und David sowie an F. Mendelsohn.



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Ries an Spohr. Der nächste belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Ries, 11.03.1827.

[1] „zugleich“ über der Zeile eingefügt.

[2] Hier „Freude“ über der Zeile eingefügt und wieder gestrichen.

[3] Die Kasseler Erstaufführung war erst am 01.01.1831 (vgl. die Ankündigung in: Kasselsche Allgemeine Zeitung 01.01.1831, S. 4; Spohr an Wilhelm Speyer, 15.11.1830). Dass für diese Inszenierung bislang keine Rezensionen bekannt sind, liegt vermutlich daran, dass in Kassel fast zeitgleich die kurhessische Verfassung unterzeichnet (05.01.1831) und verkündet (08.01.1831) wurde (vgl. Bert Hagels, „Vorwort“, in: Ferdinand Ries, Die Räuberbraut, hrsg. v. Bert Hagels, Berlin 2012, S. CIf.).

[4] „wieder“ über der Zeile eingefügt.

[5] „ist“ über gestrichenem „sind“ eingefügt.

[6] „hat“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (16.05.2017).