Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,109

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel, den 19ten May
27.

Geliebter Freund,

Einliegend überschicke ich Ihnen 2 Wechsel auf Frankfurt. Ich bitte, das Geld einkassiren zu lassen und es mir, bis sich eine schickliche Gelegenheit zum Übersenden darbiethet, aufzuheben. Auch ich freue mich, daß es dem Griechenverein gelungen ist dem Guhr das Geld abzudrücken! – Fr. Willemer ist hier, besuchte uns mit ihm gestern, hat mir aber von Ihnen nichts gebracht. – Ich arbeite fleißig an der neuen Oper1 und hoffe sie von Nenndorf, wohin wir den 5ten abreisen, vollendet zurückzubringen. – Im Herbst, wenn die Oper gegeben wird, rechnen wir sehr auf Ihren Besuch. – Neues weiß ich dießmal nichts. – In Hamburg ist bey Eröffnung des neuen Theaters Jessonda (wie die Zeitungen sagen mit vielem Beyfall) gegeben worden.2 – Heute singt Genast von Leipzig den Lisart in der Euryanthe und Willemers hören ihren Schützling, die Heinefetter als Euryanthe, in einer ihrer bedeutendsten Parthien. – Die letzte Aufführung von Jessonda mit unserem neuen Bassisten Sieber war eine sehr gelungene und setzte unser Publikum in einen ungewöhnlichen Enthusiasmus. Unsere Oper ist überhaupt jetzt vortrefflich. Feska’s Cantemire wurde auch ausgezeichnet gut gegeben und hat sehr gefallen. – Wie lebt denn Ries? Haben Sie nicht nähere Bekanntschaft mit ihm gemacht?
Meine Frau und Kinder grüßen Sie und die lieben Ihrigen herzlichst.
Mit inniger Freundschaft stets

der Ihrige
Louis Spoh[r.]



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 11.04.1827. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 05.08.1827.

[1] Pietro von Abano.

[2] Vgl. die allerdings späteren Rezensionen: „Hamburg, Juli”, in: Morgenblatt für gebildete Stände (1827), S. 732 und 736, hier S. 732;  „Hamburg. Im October”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 29 (1827), Sp. 872f., hier Sp. 872

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.02.2016).