Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,107

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel den 4ten
März 27.

Geliebter Freund,

An Schelble übersende ich heute die verlangten 5 Exempl und eines frei für Hauser, so wie ein Freiexempl für ihn. Die Bezahlung für 6 habe ich an Sie gewiesen.
Durch einen Brief von Hauser an seine Frau erfuhr ich, daß die fehlenden Stimmen sich zum Theil gefunden haben. Da ich aber vergebens warte würde, sie durch Guhr zugeschickt zu erhalten, so bitte ich Sie inständigst jemanden den Auftrag zu geben, sie einzupacken und auf die Post zu geben. Ich habe versprochen zu einer großen Aufführung des Oratoriums in Leipzig, welche den Palmsontag zum Besten der Armen statt finden soll, die Stimmen zu borgen und werde daher die fehlenden aus Frankfurt a/m bedürfen.
Mein Unternehmen hat mir bis jetzt obgleich noch 150 Exemplare der Auflage unverkauft geblieben sind, doch schon 800 Rth reinen Gewinn eingetragen. Ich habe aber so viel Mühe und Zeitverlust gehabt, daß ich doch nie wieder ein ähnliches Unternehmen entrepreniren werde.1
Mit meiner Oper2 bin ich noch nicht weit vorgerückt. Die Introduzion, die aber sehr lang ist, (20 Minuten dauert,) ist in Partitur gesetzt und eine Arie entworfen. Das Sujet ist herrlich, läßt sich aber nicht so im Auszuge geben.
Bis zum Spätsommer denke ich sie zu beenden und dann gleich in Scene zu setzen. Wir hoffen sehr, daß Sie uns dann mit Ihrer lieben Frau besuchen werden.
Während der Ferienzeit werde ich mit meiner Frau nach Nenndorf gehen um zu baden. Dort denke ich das meiste von der Oper zu vollenden.
Den Faust habe ich nach Stuttgart geschickt. Er wird dort binnen kurzem gegeben werden.
Die herzlichsten Grüße an die lieben Ihrigen. – Emilie wird gleich nach Johannis Hochzeit machen.
Mit wahrer Freundschaft

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Guhr, Carl
Hauser, Franz
Hauser, Louise
Schelble, Johann Nepomuk
Speyer, Charlotte
Spohr, Dorette
Zahn, Emilie
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Faust
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Pietro von Abano
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Kassel
Leipzig
Nenndorf
Stuttgart
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Stuttgart>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1827030402

http://bit.ly/1TMmrpH

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 01.02.1827. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 11.04.1827, aus dem sich noch ein derzeit verschollener Brief von Speyer an Spohr erschließen lässt.

[1] entrepreniren = unternehmen (Gedrängtes Deutschungs-Wörterbuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter, entstellenden fremden Ausdrücke zu deren Verstehen und Vermeiden, hrsg. v. Friedrich Erdmann Petri, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 174). 

[2] Pietro von Abano.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.02.2016).