Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.5 <Haslinger 18270303>
Druck: Music. Early Books, Manuscripts, Portraits and Autographs (= Maggs Bros. 512), London 1928, S. 281 (teilweise; englische Übersetzung)

Sr. Wohlgeb.
Herrn Tobias Haslinger
Musikverleger in
Wien.
Graben Nro 572.

Nebst einem
Paquet Musi-
kalien in blau
Papier, gez:
H.T.H.1


Cassel den 3ten März
27.

Wohlgeborner,
Hochgeehrter Herr,

Da mir Herr Hofrath Kiesewetter in seinem Schreiben2, durch welches er 9 Exemplare des Clavierauszugs meines Oratoriums bestellt, nicht bestimmt hat, an wen ich ich diese einzusenden habe, so bin ich so frey obige 9 Exempl nebst dem Freyexempl an Sie zu adressiren um zugleich Ihr geehrtes Schreiben vom 1sten November v. J. zu beantworten und Ihnen meinen ergebensten Dank zu sagen für das schöne Geschenk von Ihren Verlagswerken, welches mir vor etwa 4 Wochen von Leipzig aus zugekommen ist. Ihr neuester Verlag ist von so ausgezeichneter Eleganz in Druck und Papier, daß jeder Komponist große Lust bekommen muß, seine Sachen von Ihnen verlegt zu sehen. Um so mehr muß ich nun bedauern meine neuesten Sachen bereits wieder Herrn Peters zugesagt zu haben. Nun hat dieser aber das Unglück gehabt, den Verstand zu verlieren und ist in ein Irrenhaus nach Dresden gebracht.3 Dieß wird mein bisheriges Verhältnis mit der Handlung wohl aufheben und ich dann bald im Stande seyn, Ihnen Manuscripte zum Verlag anzutragen. Sollte dies aber wider Vermuthen doch nicht der Fall seyn, so sage ich Ihnen wenigstens den Verlag der Violinschule, für die mich kein Versprechen an Peters bindet, hiermit zu. Verhehlen will ich aber nicht, daß ich an diese Arbeit nicht eher gehen mögte, als bis es mir an Lust und Erfindung zu dramatischen- und Instrumental-Kompositionen fehlt.
Den Betrag für die beykommenden 9 Clavierauszüge, mit 2t Rthlr. Preußisch könnten Sie mir vieleicht durch das Bureau de Musi[que] in Leipzig auszahlen lassen? Diese[s] hat auch den Verkauf der, mir übrig gebliebenen Exemplare des Clavierauszugs übernommen und für den Fall, daß sich in Wien noch Abnehmer finden sollten, ersuche ich Sie sich dorthin gefälligst zu wenden.
Nochmals besten Dank für das schöne Geschenk sagend, mit vorzüglicher Hochachtung

Ew. Wohlgeb.
ergebener Diener
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Kiesewetter, Raphael Georg
Peters, Carl Friedrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Violinschule
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Peters <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1827030322

http://bit.ly/2nghPdC

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Haslinger an Spohr, 01.11.1826. Haslingers Antwortbrief vom 30.05.1827 ist derzeit verschollen.

[1] Am linken Rand neben dem Adressfeld befinden sich Empfangs- und Antwortvermerk des Verlags: „Spohr _ 1827 / Cassel _ 3 Merz / erhalten _ 19 " / beantw. _ 30 May“ sowie weitere Eintragungen.

[2] Raphael Georg Kiesewetter an Spohr, 27.11.1826.

[3] Spohr erfuhr dies spätestens durch den Brief von Friedrich Rochlitz, 26.02.1827. Ob Peters Stellvertreter im Verlag, Christian Friedrich Leede, in seinem derzeit verschollenen Brief vom 15.02.1827 ähnlich drastisch formulierte, ist unbekannt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (28.03.2017).