Autograf: Hessisches Staatsarchiv Marburg (D-MGs), Best. 159 Nr. 15/1, Bl. 73f.

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn General-
Direktor Feige.


V.H.0 den 26sten Febr.
1827.

Geehrter Freund,

Mit inniger Theilnahme höre ich, daß Sie nicht recht wohl sind. Um so mehr bedauere ich, Sie mit diesen Zeilen belästigen zu müssen.
Ein Herr Kuttner aus Strasburg und dessen Tochter (ein liebenswürdiges Mädchen, von deren ausgezeichneter Virtuosität auf dem Pianoforte ich schon viel gehört habe,) sind hier und an Herrn von Meisebug recommandirt. Dieser hat Ihnen gerathen um das Theater zu einem Concerte auf nächsten Dienstag [morgen über 8 Tage]1 anzuhalten und sie an Sie gewiesen. Heute Vormittag wollten sie Ihnen die Visite machen, konnten aber nicht vorkommen und Ihnen daher auch ihre Bitte nicht vortragen. Nun kamen sie Nachmittags zu mir und baten mich, Ihnen ihr Anliegen vorzutragen. Ich konnte es nicht gut abweisen und bin daher so frey, bey Ihnen anzufragen, ob Sie die Bitte des Herrn Kuttner an den Kurfürst wollen gelangen lassen, oder was ich ihm in Ihrem Namen für eine Antwort ertheilen soll?2 - Auch bitten Vater und Tochter sehr, ihnen wähend ihres Aufenthalts freien Eintritt in‘s Theater gütigst zu gestatten. Sollten Sie geneigt seyn, dieses zu gewähren, so bitte ich nur um ein mündliches Ja durch den Krauskopf und ich werde sie selbst dem Kassier heute Abend vorstellen.
Nochmals Verzeihung daß ich Sie bey Ihrer unpäßlichkeit beunruhige.
Mit inniger Hochachtung und Ergebenheit ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Krauskopf, Julius
Kuttner, A.
Kuttner, Elise
Meysenbug, Wilhelm Rivalier von
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1827022613

http://bit.ly/2BndgL5

Spohr



[0] [Ergänzung 21.11.2018:] Abk. f. „Von Hause“.

[1] Am linken Seitenrand eingefügt.

[2] Die Anfrage Feiges an den Kurfürst befindet sich in der gleichen Akte Bl. 78; der „Auszug Geheimen Kabinets-Protokolls“ vom 28.02.1827 befindet: „Resol: stehet nicht zu fügen“ (ebd., Bl. 79).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.08.2018).