Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

S. Wohlgeboren
Herrn Kapellmeister L. Spohr
Cassel


Cöln d. 7. Dcb. 1826

Verehrtester Herr Kapellmeister

Gern würde ich Ihnen den Erfolg Ihrer Aufforderung zur Subscription auf Ihr vortreffliches Werk1 früher gemeldet haben, hätte ich nicht gehofft, die kleine Zahl der Subscribenten unserer großen Stadt durch andre aus der Umgegend, wo sich allmählig Singvereine gestalten, in etwa zu vermehren. Allein ich muß betrauern daß die Zeit zur Herausgabe der Anträge nahesteht u. nicht gestattet, die zugerathnen Entschlüße abzuwarten. Ich behalte mir daher vor, Ihnen diese spätern Subscribenten, wenn deren noch eingehen sollten wofür ich mich unabläßig bemühen werde, späterhin zu melden, zeichne ich Ihnen heute die Namen derjenigen Personen auf, welche bis jetzt auf Ihr Werk unterzeichnet haben. Es sind folgende:
1mo Frau Mertens, geborene Schaafhausen
2o Fräulein M. Schmitz2
3o Herr C. Bensberg, Musikdirektor
4o Herr Pröbsting
5o _ Ign. Seydlitz
6o _ Schugt, Gesanglehrer beider Gymnasien
7o der Singverein
8o Simrock für 3 Exempl.
9o Herr Verkenius Landgerichtsrath. Letzterer unterzeichnet jedoch nur im Falle er auch die Partitur erhalten kann, wie Sie aus der eigenhändigen beigefügten Erklärung Herrn Verkenius3 ersehen werden. In wiefern Sie diesem Verlangen Gehör geben wollen o. können, muß ich bei der geringen Anzahl der Subscribenten ganz Ihnen anheim stellen.
Meines Erachtens würde das Unternehmen im allgemeinen durch die zugleich veranstaltete Herausgabe der Singstimmen weit besser gefördert worden seyn, indem z. B. unser Singverein, der nur für Frn. Gimph4 subscribirt, die Singstimmen (im Violin u. Baß Schlüssel) 10fach gebraucht haben würde, während auf der andern Seite sogar Singvereine in unserer Nähe nicht subscribiren, weil die Singstimmen nicht zugleich gedruckt erscheinen, u, man mit den Unannehmlichkeiten der fehlerhaften geschriebenen Stimmen nicht zu kämpfen haben will.
Es ist übrigens nicht zu bezweifeln, daß ein Werk dieser Gattung allerwärts durch die zahlreichsten Unterschriften die allgemeine Anerkennung finden werde. Möge Ihre Mühe in etwa gelohnt u. Sie dadurch veranlaßt werden, die Tonkunst noch mit mehrern so kostbaren Werken dieser Art zu bereichern.
Mit der vorzüglichsten Hochachtung habe ich die Eh[re] mich Ihnen bestens zu empfehlen

ganz Ihr ergebener
P. J. Simrock

Erwähnte Personen: Bensberg, Carl
König, M.
Mertens-Schaaffhausen, Sibylle
Pröbsting (Köln)
Schugt, Johann Georg
Seydlitz, Ignaz
Verkenius, Erich Heinrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Singverein <Köln>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826120751

http://bit.ly/1meN08S

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohrs Subskriptionsaufruf vom 15.10.1826. Spohr antwortete am 28.01.1827.

[1] Die letzten Dinge.

[2] Nach Auskunft von Klaus Wolfgang Niemöller war Fräulein Schmitz vermutlich Mitglied des Singvereins und ständiger Sopran bei den Niederrheinischen Musikfesten. Demnach liegt eine Identifizierung mit „Frl. Schmitz (nachm. Frau Dr. König)” nahe (Blätter der Erinnerung an die fünfzigjährige Dauer der Niederrheinischen Musikfeste, Köln 1868, S. 51). 

[3] Vgl. die Erklärung von Verkenius, 10.11.1826.

[4] Nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (26.11.2015).