Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Inhaltsangabe: Klaus Martin Kopitz, Der Düsseldorfer Komponist Nobert Burgmüller. Ein Leben zwischen Beethoven - Spohr - Mendelssohn, Kleve 1998, S. 346, Anm. 302

Sr Wohlgeb
Herrn Capellmeister Spohr
in
Cassel.

frey


Coblenz den 25ten Novemb. 1826

Euer Wohlgeboren

gütigen Auftrag (in Betreff der Herausgabe Ihres Oratoriums) mit welchen Sie die Gefälligkeit hatten, mich in Ihrem werthen Schreiben zu beehren, hat mich ungemein erfreut; indem ich mir ein außerordentliches Vergnügen daraus mache, Ihnen in jeder Hinsicht dienen zu können. Gleich nach Empfang Ihrer mir theuren Zuschrift, bemühte ich mich bis jetzt, so viel ich vermogte, Ihren Wunsch zu Entsprechen; allein dessen ohngeachtet haben sich doch blos Herr Staats-Procurator Anschütz, (unter dessen Leitung das hiesige, freilich nicht sehr zahlreiche vereinte Musik-Personal steht) Herr Buchhändler Hölscher und Herr Falkenberg für seine Musikalien-Leihanstalt, jeder doch nur auf Ein Exemplar subscribirt. Herr Falkenberg magte noch die Bemerkung, er sey jeder Zeit bereit, wenn Sie ihm 5 bis 6 Exemplare in Auftrag zum Verkaufe übersenden wollen, dieselben anzunehmen. - Er läßt sich auch leicht befreifen, warum ich eine so unbedeutende Zahl von Subscribenten zähle; denn hier weiß man noch nicht wie in Cassel und andern Städten(?) Teutschlands die Kunst zu schätzen und zu beurtheilen. Man wundere sich hierüber nicht1 so sehr, denn so gar unser allergnädigster König samt dem Ministerium des Innern bedürften wohl eines in die Kunst eingeweihten Manns, der dieselbe eines Bessern belehrte, auf daß Sie, sich der Kunst widmen wollende junge Leute vom dreyjährigen Militär-Dienste, zu welchem ich mich auch jetzt ganz gegen meinen Willen verpflichten muß, frey sprächen.
Vielleicht könnten Sie mich Wenig zur Minderung, oder gar zur gänzlichen Dienstbefreiung2 beitragen, wenn Sie von der Güte wären, und mir gefälligst ein Zeugniß, dessen Inhalt ich Ihnen ganz überlassen, ausstellten, wofür Ihnen, so wie für den ertheilten trefflichen Unterricht sich jeder Zeit bemühen wird, dankbar bezeigen, Euer Wohlgeboren mit Achtung harrender Schüler.

Franz Hartmann

Erwähnte Personen: Anschuez, Joseph Andreas
Falkenberg, J.C.
Hölscher, Jakob
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Koblenz
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826112540

http://bit.ly/2Y1pTS6

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohrs Subskriptionseinladung für sein Oratorium Die letzten Dinge, deren an Hartmann gerichtetes Exemplar derzeit verschollen ist. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Hartmann, 23.04.1840.

[1] Hier gestrichen: „nicht“.

[2] Einem Nachruf zufolge leistete Hartmann seine Militärzeit erst nach längeren Aufenthalten in Hamburg und Frankfurt am Main ab, wurde dann aber seiner musikalischen Fähigkeiten wegen 1834(!) vorzeitig entlassen (vgl. L[udwig] Bischoff, „Nachruf an Franz Hartmann“, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 3 (1855), S. 113ff., hier S. 114).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.07.2019).