Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Scheibler:1
Faksimile: Wolfgang Arbogast, „Sieben Briefe von Johann Heinrich Scheibler (1777-1837) an Louis Spohr (1784-1859). Der Krefelder Fabrikant und Musikliebhaber an den Komponisten und Kapellmeister in Kassel“, in: Heimat. Krefelder Jahrbuch 63 (1992), S. 157-168, hier S. 161
Druck: ebd., S. 160f.

Herrn Capellmeister
Spohr
Cassel

frey1


Crefeld am 10t Nov. 1826

Mein verehrtester Herr Capellmeister

Ihr Circolar vom 16t Oct. würde ich früher beantwortet haben, wenn ich nicht abwesend gewesen wäre, und dasselbe also erst nach meiner Zurückkunft empfangen hätte.
Die Speculation Ihr Oratorium2 nur im Clavierauszuge herauszugeben, wird Ihrem Interesse nicht angemessen sein fürchte ich. Wenn ein Singverein, um ein Beispiel anzuführen, wie der hiesige, aus 24 Personen besteht, so wären 12 Clavierauszüge, und einer für den Flügel, als 13 nöthig. Der Singverein muß also, da das 7te Exemplar gratis ist 36 R. geben und hat 14 Auszüge. Das ist nun für den Singvereine doch eine weit größere Anlage, als wenn sie einen Clavierauszug mit 6 R. und die einzelnen gedruckten Stimmen mit 1 R. bezahlten.
Unser Singverein hat sich aus diesen Gründen entschlossen 6 gleich 7 Auszüge zu nehmen, – um sich dann noch ebensoviel Stimmen abschreiben zu lassen.
Wir freuen uns nun unendlich, bald in den Besitz des Oratoriums zu kommen welches uns schon so vielen Genuß verschaffte, und uns bei vollkommenerem Studium noch weit mehr gewähren wird.
Mit dem innigsten Vergnügen und aufrichtiger Theilnahme, vernehme ich daß der junge Burgmüller schon bei Ihnen ist. Ich glaubte jetzt, wo der Adel, und überhaupt die Payasits3 vom Lande wieder zurück sind, die Sache wieder aufgreifen und in Gang bringen zu müssen. Es ist mir sehr lieb für die Düsseldorfer Beschützer des jungen Mannes, daß sie keiner weiteren, als der ersten, Anregung bedurften.
Wenn Sie zu Hause waren, so wird vor 14 Tagen H. Schornstein von Elberfeld Sie besucht haben. Wir waren zusammen in Leipzig und Berlin. ich hoffte auf der Hinreise Ihre nunmehr sicher ganz complete Musteroper4 bewundern zu können, allein ein Mißgeschick hat mich darum gebracht.
Die Poststunde rufft – ich muß schließen indem ich mich noch ergebenst Ihnen und Ihren verehrten Damen empfehle

Ihr
Scheibler

Autor(en): Scheibler, Heinrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Burgmüller, Norbert
Schornstein, Johannes
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Der Berggeist
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Berlin
Kassel
Krefeld
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Singverein <Krefeld>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826111047

http://bit.ly/2TwN0XZ

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohrs Subskriptionsaufruf für sein Oratorium Die letzten Dinge, dessen an Scheibler gerichtetes Exemplar vom 16.10.1826 derzeit verschollen ist. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Scheibler an Spohr, 22.02.1831.

[1] Über dem Adressfeld befindet sich der Poststempel „CREFELD / 10 NOV.“; links neben dem Adressfeld ein verwischter Stempel.

[2] Die letzten Dinge.

[3] Auf diese Stelle im Brief bezogen: „Mit Payasits, wohl abgeleitet vom französischen Wort le pay (das Land) sind offensichtlich Landbesitzer gemeint, die den Sommer auf ihren Gütern verbringen“ (Klaus Martin Kopitz, Der Düsseldorfer Komponist Nobert Burgmüller. Ein Leben zwischen Beethoven - Spohr - Mendelssohn, Kleve 1998, S. 346, Anm. 304). Leider lässt sich dieses Wort bislang in keinem anderen Text nachweisen.

[4] Der Berggeist.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.06.2021).