Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 179f.

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn C.F. Peters
(Bureau de Musique)
Leipzig.

franco.1


Cassel den 5ten November
26.

Geehrter Freund,

Für das gütigst überschickte Honorar von 250 Rth.2 sage ich Ihnen den besten Dank. Es hatte damit übrigens gar keine Eile.
Probst hat Recht, zu sagen, daß ich ihm das Oratorium angetragen habe; wenn ich aber gewußt hätte, daß er ein schlechter Kerl ist, so wäre es nicht geschehen. Daß ich mich bey meinen vielen Geschäften nur sehr ungern zur Selbstherausgabe des Werkes entschlossen habe und vorher noch einen Versuch machte, einen Verleger dafür zu finden, war natürlich. Mein erster Gedanke fiel auf Schlesinger, der mich früher3 immer mit Briefen bombardirte, ihm von meinen Sachen zu geben. Da mir aber einfiel, daß Sie in keinem guten Vernehmen mit ihm sind und es Ihnen unangenehm seyn müßte, wenn ich mit ihm in Verbindung trät[e,] so gab ich den Gedanken wieder auf und wandte mich an Probst. Um ihn nun zu vermögen, daß er das Oratorium zu den Ihnen gemachten Bedingungen nähme, bot ich ihm dazu auch einige meiner andern Manuscripte zu den, Ihnen bekannten Preisen. Er hatte aber die Unverschämtheit mir für diese leztern geringeres Honorar zu biethen und verlangte das Oratorium gratis als Zugabe, wofür er ein Frei-Exemplar zu geben sich erb[ot.] Daß ich auf ein solches unverschämtes Anerbiethen nicht antwortete, versteht sich von selbst, und nie wird er wieder eine Zeile von mir zu sehen bekommen. Nun war ich auch gleich zur Selbstherausgabe entschlossen und wenn die Bestellungen [von] allen Orten so häufig kommen, wie von einigen, wo ich bereits Antwort habe, so mache ich brillante Geschäfte damit. Es macht mir aber, da ich es hier unter meiner Aufsicht lithographiren lasse und die Correktur, so wie Eintheilung selbst besorge, viel Schererey und ich werde mich wohl kein 2tes mal zu dergl. entschließen.
Ihr Un- und Um-fall hat mich, troz Ihrer Versicherung, daß Sie sich wieder völlig wohl befinden, doch erschreckt. Neh[men] Sie sich, ich bitte Sie, vor Ärge[r und] noch mehr vor den Dine's(?) in Acht. [???]men Sie ja nicht zu sehr auf Ihr jezig[es] Wohlbefinden los!
Meine Familie läßt Sie herzlichst grüßen. Mit wahrer Freundschaft stets

der Ihrige
Louis Spohr.

NS. Die übrigen Manuscripte4 können Sie erhalten, sobald Sie sie gebrauchen. Mein Bruder wird sich unterdessen an Etuden versuchen.

Erwähnte Personen: Probst, Heinrich Albert
Spohr, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Lieder, Singst Kl, op. 72
Spohr, Louis : Quintette, Vl 1 2 Va 1 2 Vc, op. 69
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Probst <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826110520

http://bit.ly/2mFaEPV

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Peters an Spohr, 28.10.1826. Peters‘ Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Auf dem Umschlag des Briefes finden sich von anderer Hand noch folgende Einträge: „1826 / 5 Nov / 14 '' / Cassel / Spohr“.

[2] Für das Streichquintett op. 69 und die Lieder op. 72 (vgl. Spohr an Peters, 20.10.1826).

[3] „früher“ über der Zeile eingefügt.

[4] Streichquartette op. 74 und Violinkonzert op. 70 (vgl. Spohr an Peters, 08.09.1826).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (09.03.2017).