Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. NE 241,18

Sr. Wohlgeb
Dem Herrn Simrock
Musikverleger in
Bonn.

franco.


Cassel, den 23ten October 1826.

Wohlgebohrener,
Hochgeehrter Herr,

Mein neues Oratorium, die letzten Dinge, nach Worten der Heiligen Schrift zusammengestellt von Rochlitz, das bei dem Niederrheinischen Musikfeste in Düsseldorf am 1sten Pfingstage dieses Jahres aufgeführt wurde, gedenke ich jetzt zum Gebrauch der Gesangvereine, für die es sich wegen seiner Einfachheit und leichten Aufführbarkeit besonders eignet, im Klavierauszuge herauszugeben und zwar auf eigene Kosten, da keiner meiner bisherigen Verlage mir ein, der Arbeit einigermaßen angemessenes Honorar dafür gezahlt hat.
Da dieses Werk dennoch in den Handel kommen wird, so muß ich den Weg der Subscription einschlagen.
Ich nehme mir daher die Freiheit, Ew. Wohlgebohren um die Gefälligkeit zu bitten, mein Vorhaben dem unter Ihrer Leitung stehenden Gesangverein gütigst bekannt zu machen um die Mitglieder desselben zur gefälligen Unterzeichnung aufzufordern. Der Preis des Exemplars wird 3 Rthlr Preußisch seyn und ist deshalb so niedrig gestellt, (fast nur auf die Hälfte des Preises anderer Klavierauszüg von dieser Stärke,) um die geehrten Mitglieder der Gesangvereine zu veranlassen, sich lieber den Klavierauszug anzuschaffen der ihnen die Übersicht des Ganzen darbiethet, als einzelne Stimmen ausschreiben zu lassen.
Sammlern von Unterschriften erbiethe ich mich, das siebente Exemplar frei zu geben.
Da mein Werk sich nicht bloß zur Übung der Vereine bey Pianoforte-Begleitung, sondern hauptsächlich zu einer starkbesetzten Ausführung mit Orchesterbegleitung eignet so erbiethe ich mich, denjenigen Vereinen, die mein Unternehmen besonders wohl wollend unterstützen werden, eine Abschrift der Partitur, lediglich gegen Erstattung der Abschreibegebühren, (die etwa zehn, höchstens zwölf Thaler betragen werden) zukommen zu lassen.
Schließlich ersuche ich Ew. Wohlgebohren, da das Werk baldmöglichst (spätestens bis Neujahr) versandt und die Namen der Unterzeichner vorgedruckt werden sollen, um baldgefällige Einsendung derselben.

Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre zu seyn
Ew. Wohlgebohren
ergebenster Diener

Louis Spohr.

NS. Ich ersuche Ew. Wohlgeb. um gefä[llige] Mittheilung des Voranstehenden an den Herrn Direktor des dortigen Gesangvereins, so wie an alle die, von welchen Sie glauben, daß sie sich für mein Unternehmen interessiren werden.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ew. Wohlgeb.
ergebener Diener

Louis Spohr.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Düsseldorf
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826102321

http://bit.ly/1JHhbjY

Spohr



Der letzte überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Simrock an Spohr, 22.05.1825, Simrock antwortet auf diesen Subskriptionsaufruf am 27.11.1826.
Bis auf die Nachschrift ist dieser Text der Subskriptionsaufruf, den Spohr in diesen Tagen einer Reihe von Vertretern des Musiklebens schickte, unter anderem auch Nikolaus Simrocks Sohn Peter Joseph Simrock am 15.10.1826.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit nicht in den Anmerkungen anders angegeben, Wolfram Boder (27.03.2015).