Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.5 <Kistner 18260918>


Cassel den 18ten Sept.
26.

Ew. Wohlgeb.1

äußerten einige Male den Wunsch Manuscripte um Verlag von mir zu erhalten. Ich konnte bisher meiner Verhältnisse mit Herrn Peters wegen, Ihnen keine derselben antragen. Nun haben sich diese aber, wo nicht aufgeklärt, doch anders gestaltet und ich wende mich daher zuerst an Sie, um Ihnen folgendes proponiren:
Mein neues Oratorium: die letzten Dinge, nach Worten der heiligen Schrift zusammengestellt von Rochlitz wünsche ich für die Gesangvereine (die deshalb schon von mehreren Seiten her, Nachfrage gethan haben) im Clavierauszuge herauszugeben; dieser ist bereits gemacht und ich trage2 Ihnen denselben3 zum Verlag für ein Honorar von 300 Rth. Preuss.4 hiermit an. Wünschen Sie das Nähere über dieses Oratorium, welches hier und beym Musikfeste in Düsseldorf bereits öffentlich aufgeführt ist, zu erfahren, so befragen Sie darüber gefälligst Herrn Hofrath Rochlitz, der auch den Clavierauszug durchgesehn hat.
Da ich nun wohl weiß, daß ein Oratorium, troz der jetzt allenthalben bestehenden Gesangvereine doch nicht zu den gangbarsten Verlagsartikeln gehört, so überlasse ich Ihnen, im Fall der Annahme des Oratoriums zu obigen Bedingungen, in‘s künftige die Auswahl zum Verlag unter meinen Manuscripten, die für den Augenblick in folgenden bestehen:
Quintett für 2 Violinen 2 Violen und Violoncell – 150 Rth. Preuss. Hon.
6 Gesänge mit Clavierbegleitung 100 Rth. -.
Violinconcert (das, von mir bey meiner letzten Anwesenheit in Leipzig gespielte) – 150 Rth.
3 neue Violinquartetten (wovon aber erst das 1ste fertig ist) – 400 Rth.
Ich ersuche Sie nun, mir über vorstehende Propositionen Ihre Meynung gefälligst wissen zu lassen und wenn es seyn kann, mit umgehender Post, da ich sehr wünsche, daß das Oratorium so bald wie möglich erscheinen und vor Neujahr verschickt werde.
Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre zu seyn

Ew. Wohlgeb.
ergebener Diener
Louis Spohr.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Probst an Spohr, 31.05.1825. Probsts Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Neben der Anrede befindet sich am linken Seitenrand von anderer Hand der Empfangsvermerk des Verlags: „1826. / Cassel d. 18. Sept. / Louis Spohr. / d. 21. d. empf. / beantw.“.

[2] Hier gestrichen: „ihn“.

[3] „denselben“ über der Zeile eingefügt.

[4] „Preuss.“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.06.2020).