Autograf: Bayerische Staatsbibliothek München (D-Mbs), Sign. Autogr. Spohr, Louis

Sr. Wohlgeb
Dem Herrn Baermann
Königl Bairischer Kammermusikus
in
München.
 
franco.
 
 
Cassel am 2ten August
26.
 
Geehrter Freund,
 
Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die freundliche Weise, mit der Sie mir den günstigsten Erfolg melden, den meine Oper Faust in München gefunden hat. Ich mögte sie wohl einmal dort hören, da sie mehr wie die spätern eines recht tüchtigen Orchester bedarf und gewiß von Seiten dieses, dort in höchster Vollendung ausgeführt wird! Gern hätte ich noch etwas über die Besetzung erfahren, doch werde ich davon wohl bald etwas in öffentlichen Blättern lesen.1
Vorigen Freytag am Geburtstage des Kurfürsten haben wir hier mit sehr reichter Ausstattung und auf höchst würdige Weise zum ersten mal die Prinzessin von Provence gegeben. Gern hätte ich Herrn von Poißl die günstige Aufnahme, die sein Werk hier gefunden hat2, selbst gemeldet3; er hat aber die Correspondenz mit mir auf eine Weise abgebrochen4, die mir nicht erlaubt, sie wieder anzuknüpfen. Sie würden mich daher verbinden, wenn Sie die Güte hätten ihm obiges mitzutheilen. Mit den Gefühlen innigster Hochachtung und Freundschaft stets ganz
 
der Ihrige
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Baermann, Heinrich Joseph
Erwähnte Personen: Poißl, Johann Nepomuk von
Erwähnte Kompositionen: Poißl, Johann Nepomuk von : Die Prinzessin von Provence
Spohr, Louis : Faust
Erwähnte Orte: Kassel
München
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Hoftheater <München>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826080213

http://bit.ly/2e0SZLM

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Bärmann an Spohr.
 
[1] Vgl. [Ergänzung 31.07.2020: „München“, in: Flora (1826), S. 487; D.v.M., „Einiges über die Oper: ,Faust‘“, in: ebd. (1826), S. 497ff.]; „München, im Julius 1826”, in: Abend-Zeitung <München> (1826), S. 788, 792 und 796, hier S. 792 und 796.
 
[2] Über geteilte Meinungen des Kasseler Theaterpublikums berichtet „Cassel”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 29 (1827), Sp. 139-143, hier Sp. 139f.
 
[3] Zumindest vor der Erstaufführung in Kassel fand Spohr zu keinem positiven Urteil über diese Oper (vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 06.07.1826).
 
[4] Ergänzung 31.07.2020: Vermutlich empfand Spohr den Ton von Johann Nepomuk von Poißl an Spohr, 07.10.1825 als zu unhöflich.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.10.2016).