Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Wolfram:2

Hochwohlgebohrner
Besonders Hochverehrter Herr Generaldirector!

Die herrlichen Kräfte der Oper zu Kassel sind wohl für jeden Komponisten ein hoher Reitz, seine musicalischen Schöpfungen einer Direction anzubiethen, deren kluge Umsicht und energische Leitung des Ganzen, jede Forderung in Bezug auf Darstellung vollkommen zu befriedigen gewohnt ist.
Von dieser schönen Uiberzeugung ausgehend erlaube ich mir daher auch meine jüngste Oper „die bezauberte Rose“ – welche zu Prag seit 24ten Mai lJ.1 mehrmal mit vielem Beifall gegeben wurde2 Euer Hochwohlgebohren hiemit anzutragen. Gehes herrlicher Dichtung, welche mich ganz begeisterte, verdanke ich die schöne Aufnahme dieses Werkes zu Prag; denn sie gab mannigfaltige Gelegenheit zur Entwicklung ächt musicalisch-dramatischer Effecte, und vereint eine Masse von Gegensätzen, die gehörig Licht und Schatten über das Ganze verbreiten.
Sollten Euer Hochwohlgebohren geneigt seyn meinen ergebensten Antrag anzunehmen, so würde ich durch eine, gütigst zu bestimmende Gelegenheit Buch und Partitur einsenden.
Genehmigen Dieselben die Versicherung meiner Hochachtung, mit der ich zu verharren die Ehre habe

Euer Hochwohlgeboren
ergebenster Jos. Wolfram
Advocat und Bürgermeister
zu Teplitz in Böhmen.

Teplitz d. 25 Juni
826.

Autor(en): Wolfram, Joseph (Komponist)
Adressat(en): Feige, Karl
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Wolfram, Joseph : Die bezauberte Rose
Erwähnte Orte: Prag
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Ständetheater <Prag>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826062547

http://bit.ly/3xQPylh

Spohr



Wolfram wandte sich am gleichen Tag in gleicher Sache auch an Louis Spohr.

[1] Wohl Abk. f. „laufenden Jahres“?

[2] Vgl. „Prag. Repertoire dieser Bühne“, in: Allgemeine Theaterzeitung 19 (1826), S. 327f., hier S. 328; „Aus Prag“, in: ebd., S. 367; „Prag, im Juny 1826“, in: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (1826), S. 785; „Miscellen aus Prag“, in: ebd., S. 867; „Prag, den 4. Junius 1826“, in: Berliner allgemeine musikalische Zeitung 3 (1826), S. 191f.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.09.2022).