Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Wohlgeb.
Herrn Louis Spohr
Hoff-Kapellmesiter
Cassel

frey


Leipzig den 5. May 1826

Das Unglück hat mich getroffen mir mitten in der Messe das kalte Fieber zuzuschicken, so daß ich schon 14. Tage das Zimmer hüten muß, kein kleiner Nachtheil, indem es ganz anders ist, wenn ich selbst, während der Messe, im Geschäfte bin.
In 4. bis 5. Stunden erwarte ich heute den Eintritt des Fiebers, welchen Eindruck Ihr so eben eingegangener Brief vom 1ten d. auf meinen gereizten Zustand gemacht hat, fühle ich, dennoch eile ich, ihn mit heutiger Post noch zu beantworten (denn übergehen kann ich denselben nicht ganz) damit er bei Zeiten komme, denn wollte ich ihn auch 8. Tage zu mir legen, so würde er mich ebenso lange treiben.
Die erste Seite Ihres Briefs stürzt mit1 dem Vorwurfe auf mich ein, als ob ich mich beklagt, daß Sie mich mit einem Honnorar überfordert hätten – ich habe meinen Brief nicht copirt, aber ich glaube daß Sie mich einen schlechten Menschen nennen können, wenn ich dies geäußert habe.
Zwey Punkte scheinen mir verschiedentlich zu betrachten, der eine ist die Freundschaft, bin ich jemand Freund, so bin ich es im ganzen Umfange, allein was ist das sonderbar zwischen und beyden, Sie gehen nur von Sich aus und ich, wenn ich mir erlaube, etwas frey zu äußern, werde zurück gedrückt – was bin ich denn da für ein Freund??
Daß Ihre Werke abgehen, beweißt daß ich sie drucke und daher wäre es törigt wenn ich Ihnen solches immer schreiben wollte, allein wenn Sie mich als Freund, der ich gewiß bin, halten, so müssen Sie auch anders sein, wenn ich über ein Werk, was nicht den Beyfall erhält, mich äußere. Mein Gott, es wirft Ihnen ja nicht die Fenster ein, wenn ein paar wie wir beide, ein ernstes Wort sprechen.
Den zweiten Punkt will ich übergehen, ich müßte mich äußern wie ich nicht darf und was hilft es mir da, drum will ich lieber schweigen und so lange wir uns kennen, nie wieder laut werden, denn Sie bleiben Spohr und ich nur Verleger.
Ich kann nicht mehr schreiben, empfangen Sie daher diese paar Zeilen keineswegs als ob ich auf Ihren Brief etwas hätte entgegnen wollen, sondern damit Sie sehen, daß ich über Ihren Brief, der den meinigen so schrecklich (als er bestimmt nicht war) schildert, nicht so böse bin wie Sie und meinem Vorsatze mich gegen einen Künstler nie wieder zu rühren und zu machen was ich will, nachzukommen trachte.
Für mich geht der May diesmal verlohren, denn genese ich auch bald, so muß ich doch die schönen Wald- aber auch Wasserpartien noch mehrere Zeit vermeiden.
Grüßen Sie liebe Ihrige von Ihrem

wahren Freunde
Peters

Von Ihren Musikaufführungen werde schon hören.

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Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826050550

http://bit.ly/2lwGERU

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Peters, 01.05.1826. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 08.09.1826, aus dem sich noch ein derzeit verschollener Brief von Peters an Spohr erschließen lässt.

[1] Hier gestrichen: „mit“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (02.03.2017).