Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Hom:3

Sr
Des Kurfürstlich Hessischen Herrn
Kapellmeisters L. Spohr Wohl-
gebohrn
in
Kassel


Wohlgebohrner
Hochzuverehrender Herr Kapellmeister!

Ein äußerst unangenehmes Begebniß zwingt mich, Euer Wohlgebohrn zu benachrichtigen, daß mein Sohn zur Konskription1 gefordert zu Anfang November sich in eigener Person unvermeidlich zur Visitation stellen muß, da es hier damit so strenge genommen wird, daß im Falle des Nichterscheines dem Gefoderten der größte Nachtheil daraus entstehen muß. Ob ich gleich nicht fürchte, daß mein Sohn theils rücksichtlich der Kunst, wenn er sich darüber mit vorzüglichen Zeugnissen ausweisen kann, um die ich Sie Herr Kapellmeister flehentlichst bitte2 theils rücksichtlich seiner schwachen Brust, die ihm zum schroffen Militärdienst ganz unfähig macht3, wird gezwungen werden. Mir ist es nur leid, wenn er deshalb seine noch nicht vollendete Lehrstunden auf einmal abbrechen und vielleicht gerade noch das Wichtigste Ihres Meisterunterrichtes versäumen muß.4
Nun aber Verehrungswürdiger, Bester Einziger Herr Kapellmeister wünschte ich nur die Gefühle der Dankbarkeit und Verpflichtung ausdrücken zu können, wovon mein Herz voll ist. Wie kann ich für Ihre unendliche Güte und Bemühungen, für alles das, was Sie an meinem Sohne als ein uneigennütziger Vater blos aus Liebe gethan haben, hinlänglich danken? Wenn ich nur im Stande wäre, diese grose Liebesdienste auf eine oder die andere Weise zu vergelten, ich wollte mich ja höchst glücklich schätzen. Aber Ihre edle und großmüthige Denkensart scheint nur ihren Lohn darinn zu suchen, der Begründer und Beförderer des Glückes meines Sohnes zu seyn. Er wird es auch ganz gewiß gleich mir mit ewiger Dankbarkeit anerkennen, und sich stets bestreben, seinem grosen Meister durch Fleiß und Vervollkomnung Ehre zu machen. Mit unabänderlicher Hochachtung habe ich die Ehre zu sein

Euer Wohlgebohrn
ganz ergebenster Diener
G.A. Hom k. b. Konzertm.

Aschaffenburg
d 16t October 1825.

Erwähnte Personen: Hom, Carl Theodor
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Aschaffenburg
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825101640

http://bit.ly/291Sxgo

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hom an Spohr, 10.11.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz, Hom an Spohr, 05.11.1826, setzt voraus, dass Hom einer der Empfänger von Spohrs Subkriptionsaufruf für sein Oratorium Die letzten Dinge war, dessen an Hom gerichtetes Exemplar jedoch derzeit verschollen ist.

[1] Jährliche Musterung und Aushebung der Militärpflichtigen. Zur Konskription des Geburtsjahrgangs 1805 vgl. „Verfügungen der königlichen höchsten Kreisstellen”, in: Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis des Königreichs Baiern (1825), Sp. 2089-2092.

[2] Ein solches Zeugnis Spohrs ist derzeit nicht bekannt, da Spohr seine Schüler jedoch mit Abschlusszeugnissen entließ, höchst wahrscheinlich.

[3] Eine Einziehung zur Wehrpflicht erfolgte wohl nicht, denn auch der spätere Personalakt der Münchener Hofmusik lässt Zweifel an einer fürs Militär geeigneten Konstitution aufkommen (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (D-Mhsa), Sign. Intendanz Hofmusik 44).

[4] Dass der Schüler der zwingend notwendigen Anwesenheit in Aschaffenburg nachkam, ist durch zwei Konzerte in Aschaffenburg, am 10. und 13.12.1825 belegt (vgl. „Aschaffenburg, im November”, in: Didaskalia, 25.11.1825, nicht paginiert; Brief von Carl Theodor Hom, Aschaffenburg 07.12.1825, in: Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Sign. Casino-Gesellschaft 24 – Dieser Brief lässt eine Reihe von sechs Konzerten in Aschaffenburg vermuten).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Erich Staab (25.06.2016).