Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,81
Druck: Eduard Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 90f. (teilweise)

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel den 3ten
Juli 25.

Geliebter Freund!

Am Donnerstag Abend 4 Uhr kamen wir wohlbehalten und wenig ermüdet hier an. Die Reise war sehr angenehm da der Regen Staub und Hitze gedämpft hatte. – Ich fand einen ungeheuren Stoß Briefe die zum Theil schon 14 Tage hier gelegen hatten und daher gleich beantwortet werden mußte. Zwey waren darunter, deren Inhalt Sie interessieren wird. Der erste enthielt eine Bestellung der Jessonda, Partitur, Buch, Beschreibung der Kostüme p.p. für das Petersburger Theater, die ich so eilig wie möglich zu besorgen habe1; der 2te eine Anfrage eines Mitgliedes der Copenhagener Hofkapelle, ob ich nicht im Spätherbst nach Copenhagen komme könne und wolle um die Jessonda in Scene zu setzen, bei welcher Gelegrenheit er mir die brilantesten Geschäfte als Geiger versprechen könne; Es würde nach meiner Zusage an mich die Aufforderung ergehen, die Partitur einzusenden.2 – An diese Reise darf ich nun aber nicht denken, da ich in Leipzig für den Berggeist thätig seyn muß.
Eine mehrmalige Einladung nach Braunschweig, um am 14ten dieses die Jessonda zu dirigiren, fand ich auch vor3, habe es aber abschreiben müssen. – Ein Brief von Graf Brühl enthielt seinen und Spikers verbindlichen Dank für die Musik zu Macbeth und die Nachricht, daß die Aufführung wegen der Badekur der Stich3a bis zum September verschoben werden müsse. Bis dahin, bat er mich auch, auf das Honorar zu warten zu wollen (!!)3b
Aus Privatnachrichten aus Berlin weiß ich4, daß Brühl nun nach Spontini’s Abreise die Euryanthe im August zu geben gedenkt. So wie dieß vorbey ist, werde ich mich wegen des Berggeist’s an Brühl wenden und die Aufführung im Winter, wo möglich, selbst leiten.
Schlüßlich empfangen Sie, was [eigentlich] schon zu Anfang des Briefes hätte geschehen sollen, nochmals unsern aller herzlichen Dank für die vergnügten Stunden, die wir bei Ihnen erlebt haben und die herzlichsten Grüße.

Mit inniger Freundschaft stets
der Ihrige
Louis Spohr.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 10.06.1825. Speyer beantwortete diesen Brief am 06.07.1825.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[3] Diese Briefe sind derzeit verschollen.

[3a] Auguste Crelinger, verwitwte Stich.

[3b] [Ergänzung Karl Traugott Goldbach, 21.11.2016:] Vgl. Brühl an Spohr, 24.06.1825.

[4] Diese Briefe sind derzeit noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.02.2016).

Cassel, 3. Juli 1825.

... Ich fand einen ungeheuren Stoß Briefe, der zum Teil schon 14 Tage hier gelegen hatte und daher gleich beantwortet werden mußte. Zwei waren darunter, deren Inhalt Sie interessieren wird. Der erste enthielt eine Bestellung der ,Jessonda’, Partitur, Buch, Beschreibung der Kostüme usw., für das Theater in Petersburg, die ich so eilig wie möglich zu besorgen habe. Der zweite eine Anfrage eines Mitgliedes der Kopenhagener Hofkapelle, ob ich im Spätherbst nach Kopenhagen komme könne und wolle, um die ,Jessonda’ in Szene zu setzen, bei welcher Gelegrenheit er mir die brilantesten Geschäfte als Geiger versprechen könne. Es würde nach meiner Zusage an mich die Aufforderung ergehen, die Partitur einzusenden. – An diese Reise darf ich nun aber nicht denken, da ich in Leipzig für den ,Berggeist’ tätig sein muß. Eine mehrmalige Einladung nach Braunschweig, um am vierzehnten dieses die ,Jessonda’ zu dirigieren, fand ich auch vor, habe es aber abschlagen müssen ... Schließlich empfangen Sie, was eigentlich zu Anfang des Briefes hätte geschehen sollen, nochmals unsern allerherzlichen Dank für die vergnügten Stunden, die wir bei Ihnen erlebt haben, und die herzlichsten Grüße.