Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Wohlgeb.
Herrn Louis Spohr
Hofkapellmeister
Cassel

Frey


Leipzig d. 2. July 1825

Werthester Freund.

Endlich bin ich an der Ausführung meines Reisen-Entschlußes, zum besten meiner Gesundheit, einmal eine weite Reise und in der Zerstreuung und ganz veränderter Luft meine Kur zu suchen, denn obgleich meine Gesundheit sich außerordentlich gehoben hat, so kann ich doch nicht wieder ganz gesund und froh werden, so lange ich mich mit Doktor und Apotheker herum treibe, sondern will nun ein für mich seltenes Mittel einer Reise gebrauchen.
Morgen soll es fortgehen durch Bayern nach der Schweiz und ein Stückchen nach Italien; ich denke die Schweizerberge sollen meinen Unterleib wieder in Ordnung bringen und die italienische Luft den reumatischen Stoff heraustreiben, denn ich habe mir gehörige Fußtouren vorgenommen. Die heilsammste Wirkung verspreche ich mir aber von der Zerstreuung, denn nachdem ich, seit 20. Jahren, nicht viel vom Schreibtische wegkam, so muß so ein sorgenloses Herumreisen von einigen Monaten von erstaunlichen Folgen für mich sein.
Es hat mir viel gekostet zu diesem Entschluße zu kommen, allein lieber in Zeiten ein Opfer gebracht, als mich späterhin wieder aufs Krankenlager zu legen.
Ich habe in diesem Monate über Rth. 400 – in Frankfurt zu empfangen und bis am Tag vor meiner Abreise auf Briefe von dort gewartet, weil ich dies Geld für Sie bestimmt hatte, da die Briefe aber noch nicht hier sind, so muß ich die Verfügung über jenes Geld verschieben bis ich, auf meiner Rückreise im August, nach Frankfurt komme, ich wollte Ihnen dies vor meiner Reise nur noch melden, damit Sie wissen, warum Sie das versprochene Geld später erhalten.
Ihr Berggeist wird während meiner Abwesenheit fertig u. erscheint, so wie die übrigen von Ihnen noch habenden Manuscripte, zu Michaelis.
Der Himmel erhalte Sie Alle indeß recht wohl und behalten Sie recht lieb

Ihren wahren Freund
C.F. Peters

Meinen Brief worinnen ich Sie für das Petersburger Theater um die Partitur etc. der Jessonda bat, werden Sie empfangen haben

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Der Berggeist
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <St. Petersburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825070250

http://bit.ly/2lqwgeB

Spohr



Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Peters an Spohr, 11.06.1825. Der Postweg dieses Briefs überschnitt sich mit Spohr an Peters, 03.07.1825.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (01.03.2017).