Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 156f.

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn C.F. Peters
Bureau de Musique
Leipzig.1

franco.


Cassel den 15ten
Aprill 25.

Geliebter Freund,

Der Zweck dieses Briefes ist, Ihnen 3 neue Claviersonaten mit Violinbegleitung oder eigentlich concertierende Duetten für beyde Instrumente von unserem Moritz Hauptmann, die er so eben beendigt hat und die unter das herrlichste gehören, was überhaupt in dieser Gattung existiert, zum Verlag anzutragen. Auf Gewinn sieht er nicht und überlässt es Ihnen fals Sie sein Werk verlegen wollen, ein billiges Honorar dafür zu bestimmen. Wenn ich nicht irre, habe ich bey meinem lezten Aufenthalte in Leipzig mit Ihnen über die Hauptmannschen Kompositionen gesprochen, sicher aber von ihrer Vortrefflichkeit noch viel zu wen[ig] gesagt. Wenn sie nun, troz ihres innern Werthes doch nicht gekannt und gesucht worden, so liegt das warscheinlich zum Theil daran, daß sie für de[n] großen Haufen zu gut, zu edel sind[,] zum Theil liegt die Schuld aber auch an Ihnen, indem Sie es versäumen, solche Verlagsartikel, die Ihrem Verlage Ehre machen und darunter gehöre[n] d[ie] Hauptmannschen Sachen vor vielen, ein wenig ausgesunnen(?) zu lassen, damit das dumme Volk doch auch erfahre, was gut ist und was es gut finden [würde,(?)] wenn es Geschmack zeigen will. Sollten Sie nun diese neuen Hauptmannschen Sonaten, die ich für einen guten Artikel halte, weil sie bey aller Gediegenheit doch auch brillant für beyde Instrumente und reich an gefälligen Melodien sind, in Verlag nehmen wollen, so bitte ich mir bald eine Antwort aus. Zugleich bestimmen Sie gefälligst, wann ich Ihnen den Clavierauszug zum Berggeist schicken soll. Gut wird es seyn, [wenn Sie] ihn bald in Arbeit nehmen lassen[, doch sollte] er nicht nicht eher erscheinen, als bis ich [die Oper] in einer großen Stadt in Scene gebracht habe, was diesen Sommer noch geschehen soll, vieleicht in Wien, wohin ich schon längst einmal eine Reise habe machen wollen. Ich habe bereits dorthin geschrieben und erwarte binnen kurzem die Entscheidung. Vor der Hand muß dies aber noch geheim bleiben. Die Jessonda wird in 6 Wochen in Braunschweig gegeben werden und da es in unserer Ferienzeit ist, so werde ich wohl dazu hinreisen. – Leben Sie wohl und erfreuen Sie mich bald mit einer Antwort.
Ihr Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Hauptmann, Moritz
Erwähnte Kompositionen: Hauptmann, Moritz : Sonaten, Vl Kl, op. 5
Spohr, Louis : Der Berggeist
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825041520

http://bit.ly/2mvp9D0

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 23.03.1825. Peters beantwortete diesen Brief am 13.05.1825.

[1] Auf dem Umschlag des Briefes befindet sich von anderer Hand der Eingangsvermerk des Verlags: „1825 / 15 April / 12 May / Cassel / Spohr“, außerdem (wohl von wieder anderer Hand) noch einige schriftliche Additionen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (27.02.2017).