Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,71
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 80 (teilweise)

Sr. Wohlgeb.
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel den 23sten
October 1824.

Geliebter Freund,

Gern will ich Hrn. Vauchel 4 Louisd’or für seine Arbeit bezahlen und bitte Sie, sie ihm zukommen zu lassen. In einige Tagen werde ich Ihnen Ihre Auslagen mit dem größten Danke erstatten, nämlich
200 fl. aus der Theaterkasse.
44 – für Vauchel und
1 – 12 x.1 , Auslage an Ihlée
______________________
245 fl. 12 x. (Ich hoffe doch sehr, daß ich nichts vergessen habe!)
Die Geige von Vauchel war beym Empfang Ihres Briefes schon unter Ihrer Adresse abgegangen. An die unglückliche Mauth hatte ich nicht gedacht. –
Jessonda wird, wie mir Weber schreibt2 , mit vieler Sorgfalt jetzt in Dresden einstudirt. In Leipzig hat die Seidler die Jessonda mit dem allerglänzensten Erfolg zweimal gegeben. So lieb mir dieß ist, so stört es doch meine Pläne für Berlin. Denn sie sollte die Amazili und die Schulz die Jessonda singen. Sie wird sich nun aber weigern die Amazili zu nehmen troz der, von mir nachkomponirten Arien.Ich sehe jetzt Nachrichten darüber, so wie auch über die Zeit, in der die Oper gegeben werden wird, von Spontini entgegen. Auf jeden Fall werde ich nach Berlin reisen, weil die dortige Aufführung und deren Erfolg zu wichtig für mich sind. Wäre ich in Frankfurt zugegen gewesen, die Oper würde ganz anders gegeben werden und in Credit stehen! In Leipzig macht sie übrigens bey jeder Aufführung ein volles Haus, weshalb nach der Seidler Abreise auch schon wieder eine neue Jessonda eingesetzt wird, die aber schweren Stand haben wird.
Von der neuen Oper ist der 3te Akt etwa zur Hälfte fertig. Da es mit der Vollendung keine Eile hat, so schreibe ich nur daran, wenn ich recht aufgelegt bin. Statt dessen spiele ich jetzt wieder fleißig, und da unsere Quartetten [wieder] begonnen haben, so komme ich nach und [nach] auch wieder in Zug. Das tut auch Noth, wenn ich in Berlin keine Schande als Geiger einernten will!
Der junge Hom macht gute Fortschritte und wird einmal ein ausgezeichneter Geiger werden.
Herzliche Grüße von uns allen an die Ihrigen. Mit inniger Freundschaft stets Ihr

L. Spohr.



Dies ist der Antwortbrief auf einen derzeit verschollenen Brief von Speyer an Spohr. Speyers Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Abkürzung für Kreuzer.

[2] Carl Maria von Weber an Spohr, 11.10.1824

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (22.02.2016).

Cassel, 23. Oktober 1824.

... ,Jessonda’ wird, wie mir Weber schreibt, mit vieler Sorgfalt jetzt in Dresden einstudiert ... Auf jeden Fall werde ich nach Berlin reisen, weil die dortige Aufführung der ,Jessonda’ und deren Erfolg zu wichtig für mich sind. Wenn ich in Frankfurt zugegen gewesen, die Oper würde ganz anders gegeben werden und in Kredit stehen! ... Von der neuen Oper ,Der Berggeist’ ist der dritte Akt etwa zur Hälfte fertig. Da es mit der Vollendung keine Eile hat, so schreibe ich nur daran, wenn ich recht aufgelegt bin. Statt dessen spiele ich jetzt wieder fleißig, und da unsere Quartette wieder begonnen haben, so komme ich nach und nach auch wieder in Zug. Das tut auch not, wenn ich in Berlin keine Schande als Geiger einernten will ...