Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,70

Sr. Wohlgeb.
Herrn Wilhelm Speyer
in
Offenbach a/m


Cassel den 16ten October
24.

Geliebter Freund,

Herr Schöne ist bey uns nun engagirt worden; wir werden ihn indessen erst noch einiger Zeit üben lassen, bevor wir ihn auftreten lassen. Wir danken Ihnen recht sehr, daß Sie ihm den Vorschuß gemacht haben, welchen ich Ihnen bey erster Gelegenheit übersenden werde. – Sie haben mir auf meine letzte Anfrage „wie viel ich wohl Herrn Vauchel für seine Arbeit zu bezahlen habe, im letzten Briefe noch nichts erwidert, sonst hätte ich Ihnen mit diesem sowohl diese Summe, wie auch den Vorschuß sogleich überschickt. Unterdessen habe ich wieder einen Brief von Vauchel erhalten1, in welchem er mich bittet, die neue Geige, die er für den jungen Hom bestimmt hatte (die diesem aber zu theuer ist; sie soll 100 fl. kosten) an Herrn Springsfeld zu schicken. Da dieser Herr mir aber unbekannt ist und ich bedenken trage, die Geige so, ohne näher bestimmte Adresse auf die Post zu geben, so werde ich so frey seyn, sie an Sie zu adressiren und bitte Sie, sie dem Herrn Springsfeld, der ein Verwandter von Ihrem Schwager Forstblom seyn soll, zu übergeben und sich die Portoauslagen erstatten zu lassen.
Bey aller Geschicklichkeit ist der Vauchel doch ein Art Narr! So bildet er sich im Ernst ein, seine neue Geige habe vollkommen denselben Ton wie meine Stradivari. So glaubt er ferner, durch den Druck des Kinns auf die Maschine an meiner Geige2 würde die Stimmung erhöht, da die Maschine doch völlig unbeweglich ist und fest auf dem Sattel hinten würkt; so hat er auch den Hauptnutzen der Maschine nicht einmal eingesehen. Er will nun eine and[ere] erfinden; was er mir aber davon [geschr]ieben giebt mir keine vortheilhafte Idee.
Frau und Kinder lassen Sie und die lieben Ihrigen herzlichst grüßen.
Mit treuer Freundschaft stets

der Ihrige
L. Spohr.

Erwähnte Personen: Forsboom, Anton
Hom, Carl Theodor
Schöne (Sänger aus Leipzig)
Springsfeld, Karl
Vauchel, Jean
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824101602

http://bit.ly/1Q2FDK3

Spohr



Dieser Brief schließt an Spohr an Speyer, 28.09.1824 an. Speyers Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Es handelt sich wohl um den von Spohr entwickelten Saitenhalter, aus dem er später den Kinnhalter entwickelte (vgl. Karl Traugott Goldbach, „Louis Spohr und der Kinnhalter“, in: Musikforschung 68 (2015), S. 123-135).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (22.02.2016).