Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.6 <Seyfried 18240512>
Druck: Georg Kinsky, Autographen von geschichtlichen Persönlichkeiten, Dichtern, Schriftstellern, Forschern, bildenden Künstlern und Musikern. Zwei Sammlungen aus rheinischem Besitz. Versteigerung: 21. November 1932 (= Auktionskatalog Lengfeld 42), Köln 1932, S. 89 (teilweise)

Cassel den 12ten
May 1824.

Geehrter Herr und Freund,

Verzeihen Sie gütigst, daß ich Ihre freundschaftliche Zuschrift erst jezt beantworte. Mehrere kleine Reisen und andere Abhaltungen waren Ursach dieser Verzögerung.
Einliegend übersende ich Ihnen das Honorar für Ahasverus mit 67½ Gulden was ohngefähr die Summe von 15 Dukaten ausmachen wird. Sollte dem dortigen Course nach, noch etwas daran fehlen, so creditiren Sie es gefälligst bis wir wieder einmal eine Zahlung nach Wien zu machen haben.
Meine Oper Jessonda ist nun1 außer Cassel auch in Leipzig und Frankfurt a/m gegeben worden und wird in Dresden und Berlin so eben einstudirt. Ich habe eine Einladung erhalten, der Aufführung in Berlin, die mir für Norddeutschland die wichtigste ist, selbst beyzuwohnen und werde im August dahin abreisen. Ich mögte nun wohl, daß die Oper auch in Wien gegeben würde, doch müßte sie dem Publiko auf eine würdigere Art vorgeführt werden, als es mit der Zemire der Fall war.2 Können Sie sie der Direktion des Hoftheaters empfehlen, so bitte ich darum. Die Oper ist ganz im Styl der großen Oper ohne Dialoge und mit Ballet, doch mit solchen, die zur Handlung gehören und diese nicht unnöthig aufhalten.
Mit dem Wunsche daß dieser Brief Sie wohl und vergnügt treffen möge und mit herzlicher Freundschaft stets

der Ihrige
L. Spohr.



Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Seyfried, 15.05.1835.

[1] Hier gestrichen: „in“.

[2] Vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 02.01.1822.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.01.2017).