Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Ms. ep. Spohr-Correspondenz. 2,114
Druck: [Ernst Rychnovsky], Beschreibendes Verzeichnis der Autographen-Sammlung Fritz Donebauer in Prag, 2. Aufl., Prag 1900, S. 181 (teilweise)

Herrn Capellmeister Spohr
Wohlgeb.
in
Caßel

gel.


Hamburg,
am 23. April
1824.

Liebster Freund,

Ich kann den jungen Mann1, der sich Ihrer Obhut vertrauen will, unmöglich abreisen laßen, ohne ihm einige Zeilen für Sie mitzugeben. – Möge er Ihnen recht viel Freude machen – sein unbezwingter Eifer schon bürgt nur dafür. Es würde mich sehr intereßiren, wenn Sie mir in einigen Monaten etwa ein kurzes Urtheil über ihn mittheilen wollten. Er hat sein hiesiges musikalisches Treiben durch Mitwirkung an einem Concert beschloßen, das ich gestern zum Besten der Freimaurer-Krankenhäuser mit sehr günstigem Erfolg gegeben. Ich lege Ihnen einen Zettel bei, damit Sie sich überzeugen, daß wir auch Ihrer dabei in aller Ehre u. Freude gedacht haben. Ihr Soldaten Chor wurde in dem Con. des Herrn Graff2 so schändlich verstutzt, daß ich es der Kunst, und mir u. Ihnen schuldig zu seyn glaubte, dieß kleine originelle mir im tiefsten Herzen zusagende Stück, aber auch weil ihm durch die erste Aufführung der Schmelz genommen war, wieder zu Ehren zu bringen, u. ich glaube, es ist mir vollständig gelungen. Die Aufführung war sorgsam vorbereitet, u. machte einen höchst ergreifenden Eindruck. Ich lege Ihnen auch den Text bei. Sie werden daselbst einen 2ten Vers beigefügt finden, der nach meiner Meinung der Musik zieml. anpaßend erscheinen dürfte. Unser Pacius wird das Weitere bestätigen. Doch er erscheint eben, um diese Zeilen abholen. Nun also noch einen herzinnigen Gruß Ihnen u. den Ihrigen, so wie an Gerstäcker u. einige andere befreundete Umgebungen.
Leben Sie wohl, behalten Sie mich lieb, u. gönnen Sie bald einige Zeilen Ihrem treuen

AMethfeßel

Der kl. Ausz. der Jessonda gewährt mir vorzügl. Vergnügen – könnten wir doch bald die ganze Oper hören!

Erwähnte Personen: Gerstäcker, Friedrich (Vater)
Graff, Lucas Bernhard
Pacius, Fredrik
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Hamburg
Erwähnte Institutionen: Liedertafel <Hamburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824042343

http://bit.ly/2DniNhv

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Methfessel an Spohr, 29.02.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Methfessel an Spohr, 27.01.1825.

[1] Fredrik Pacius.

[2] Vgl. „Concert-Anzeige“, in: Originalien aus dem Gebiete der Wahrheit, Kunst, Laune und Phantasie 8 (1824), Sp. 272.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Götz Methfessel (21.12.2017).