Autograf: Stadtbibliothek Lübeck (D-LÜh), Sign. Autographensammlung Hennings: Blaue Kartons

Sr. Wohlgeb
Dem Herrn Concertmeister
Wilhelm Mangold
in Darmstadt.

d.G.


Cassel den 14ten März
24.

Geehrter Herr,

Mit großem Vergnügen habe ich Ihr Werk durchgesehen und mit besonderer Freude bemerkt, daß Sie nur dem Edlen und Ernsten huldigen und den läppischen Flitterstaat der Mode verschmähen. Bleiben Sie diesem Streben getreu und Sie werden deutscher Kunst Ehre bringen. – Gern mögte ich nun was an mir liegt, dazu beytragen, daß Ihre Oper auf hiesigem Theater gegeben werde, wäre nur eine Möglichkeit dazu vorhanden. Es fehlt uns nämlich noch immer an einer ersten Sängerin und namentlich an einer, die tragische Parthien singen könnte.
Sollten wir auch nun so glücklich seyn eine zu finden, so müsen wir dann erst alle die neuen1 Oper, die sich bey uns angehäuft haben, unter denen sich Euryanthe, Libussa und mehrere der neuesten Zeit befinden, einstudiren, bevor wir daran denken können, wieder etwas neues vorzunehmen. Da nun leicht mehrere Jahre darüber vergehen können, so schicke ich Ihnen vor der Hand Ihre Partitur wieder zurück und behalte mir vor, Ihnen in der Folge über Realisirung Ihres Wunsches günstigeres melden zu können.
Unter Empfehlungen an die lieben Ihrigen mit vorzüglicher Hochachtung

ganz
der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Kreutzer, Conradin : Libussa
Mangold, Wilhelm : Merope
Weber, Carl Maria von : Euryanthe
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824031414

http://bit.ly/2FfclJg

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Mangold an Spohr, 21.02.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Mangold, 15.07.1830.

[1] „neuen” über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.04.2018).