Autograf: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (D-DSsa), Sign. D 12 Nr. 43/35

Allerdurchlauchtigster Großherzog,
Allergnädigster Herr,

Ew. Königl. Hoheit, dem größten Mäzene deutscher Kunst wage ich in Unterthänigkeit mein neustes Werk Jessonda, große Oper in drey Aufzügen für das Hoftheater anzutragen.1 Da ich nicht so glücklich bin, mit meinen früheren Opern auf dem Repertorium des so berühmten Darmstädter Hoftheaters zu wissen, so ist der Wunsch wohl sehr natürlich, daß Ew. Königl. Hoheit dieses mein letztes Werk der Aufnahme gnädigst würdigen möge und daß es dadurch sich einer Aufführung zu erfreuen haben möge, wie sie wohl auf keinem andern deutschen Theater so vollendet stattfinden kann. Die Oper ist ernsten Inhalts und durchgehend in Recitativen geschrieben, sie hat hier seit ihrer ersten Aufführung am Geburtstage S.H.G. des Kurfürsten in einer Reihe von Vorstellungen sich dauernden Beyfalls zu erfreuen gehabt. Dieß ermuthigt mich sie Ew. Königl. Hoheit unterthänigst anzutragen.
Indem ich um die Fortdauer des allergnädigsten Wohlwollens damit mich Ew. Königl. Hoheit früher so huldreichst beglückte, unterthänigst bitte, ersterbe2 ich

Ew. Königl. Hoheit
unterthänigster Diener
Louis Spohr
Kurfürstlicher Hofkapellmeister

Cassel am
8ten October 1823.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Darmstadt
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Darmstadt>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823100827

http://bit.ly/1qOBCDs

Spohr



[1] Eine Darmstädter Jessonda-Aufführung zu dieser Zeit ist derzeit nicht ermittelt.

[2] Grußformel an den Hochadel (vgl. J.D.F. Rumpf, Brief- und Geschäftschule für alle Stände, Berlin 21839, S. 19f.). 

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.04.2016).