Autograf: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky (D-Hs), Sign. CS 15 : Spohr : 1-2

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn Schmidt
Direktor des Stadttheaters
zu
Hamburg.

franco.


Cassel den 5ten October
23.

Geehrter Herr und Freund,

Mit zwey Worten kann ich Ihnen sagen, wie wir mit Demoiselle Parsche stehen: Wir boten ihr 2000 Rth.; da die Eltern aber damit nicht zufrieden seyn wollten, ließen wir die Unterhandlungen fallen, da sie doch im Grunde keine Primadonna ist, wie sie zu unserm übrigen besonders männlichen Personale gehört. -
Wie ich Ihren Brief erhielt war ich im Begriff Ihnen wegen meiner neuen Oper: Jessonda zu schreiben; nun allso zur Beantwortung Ihrer Anfrage: Die Oper erlaubt zwar eine sehr reiche Ausstattung, kann aber auch auf jedem Theater mit den bereits vorhandenen Mitteln an Decorationen und Garderobe gegeben werden, einige Kleinigkeiten etwa abgerechnet. Überdieß ist sie viel leichter wie meine früheren Opern und der Efekt hängt nicht so sehr wie bey den andern von einer vollkommen genauen Ausführung der Musik ab. Wollen Sie die Oper auf Ihrem Theater geben, so will ich für Sie das Honorar für Buch und Partitur auf 15 Friedrichsd‘or festsetzen, obgleich in den übrigen Theatern 25 Frd. aberlange, die auch bereits von München und Frankfurt a/m zugestanden sind. Es geschieht um doch auch einmal eine meiner Opern auf Ihrem Repertoire zu wissen. Ende dieses Monaths reise ich nach Frankfurt um bey der ersten Aufführung dort gegenwärtig zu seyn. Könnte ich nur so allenthalben mitreisen, so wäre ich des Erfolgs gewiß. Doch tröstet mich, daß diese nicht so leicht zugrunde zu richten ist wie namentlich die Zemire. - Meine Frau ist jezt wohler wie früher; meine drei Mädchen1 sind die Gesundheit selbst. Die älteste, 16 Jahr alt, hat ein schön[es Gesangs]talent und macht mir eitel Fr[eude.] Sie wird mich auf der nächsten Kunstreise begleiten.
Meine Frau läßt sich Ihnen empfehlen.
Mit herzlicher Freundschaft stets

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Parsche (Sängerin)
Spohr, Dorette
Spohr, Therese
Wolff, Ida
Zahn, Emilie
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Spohr, Louis : Zemire und Azor
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Stadttheater <Frankfurt am Main>
Stadttheater <Hamburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823100514

http://bit.ly/2M3x8Ec

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Schmidt an Spohr. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schmidt, 08.03.1826, aus dem sich noch ein voriger, derzeit verschollener Brief von Schmidt an Spohr erschließen lässt.

[1] Spohrs Töchter Emilie, später verheiratete Zahn, Ida, später verheiratete Wolff und Therese.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.06.2018).