Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,212
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 69 (teilweise)

Offenbach am 24 Sept. 1823.

Theurer Freund!

Ich zögerte mit der Antwort auf Ihren letzten Brief, um die Ankunft der Jessonda abzuwarten, indem mir alsdann Guhr bestimmt sagen kann, wenn sie in Scene kommen soll. Nun ist sie noch nicht hier, allein Guhr versichert mich, daß er sie unverzüglich vornehmen wird, versprach mir auch, daß von seiten der Ausstattung alles mögliche geschehen soll.
Moscheles war, Pixis und Böhm sind hier. Ersterer gab ein Konzert und hatte eine reine Einnahme von f. 550.1 Letztere haben nur einen Gulden gewonnen; indessen versuchen Sie es mit einem 2ten Concert, wozu sie von unserer Seite aufgefordert wurden2 – Böhm ist ein sehr braver Geiger, Pixis wird Ihnen bekannt sein. Der letztere schien mir ein klein wenig empfindlich, über Sie, und zwar aus dem Grunde, wegen des jüngst herausgekommenen Clavierauszugs von Faust, wovon er, wie er sagt, auch nicht einmal ein Exemplar erhalten hat. – Der junge Brand wird Ihnen seine Arbeit zugeschickt haben; man findet sie sehr zweckmäßig, und Schott hat bereits viel verkauft. – Es ist mir lieb, denn auf solche Weise muß die Oper unter die Leute kommen.3 – Mit Pixis und Böhm, u. in Gegenwart von Moscheles haben wir Ihr Doppel-Quartett gemacht, welches sehr gefiel. Moscheles rühmte mir Ihr Klavier-Quintett ausnehmend. Er hat hier ein meisterhaft gesetztes Konzert in E dur gespielt, welches sein Talent für die Composition in hohem Grade beurkundet.
Dem Dr. Döring habe ich für Ihre Rechnung f 30 bezahlt. –
Beeilen Sie die Uebersendung der Partitur an Guhr, damit ich Ihnen bald etwas näheres anzeigen kann. Unaussprechlich freuen wir uns alle, Sie hier zu sehen.
Herzliche Grüße den Ihrigen und Versicherung unwandelbarer Liebe

von Ihrem
WmSp.



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 25.08.1823. Spohr beantwortete diesen Brief am 29.09.1823.

[1] Vgl. „Frankfurt am Main. Im Oktober”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 25 (1823), Sp. 705-708, hier Sp. 705; A.E.K., „Aus Frankfurt am Main”, in: Abend-Zeitung (1823), S. 972, 976, 980 und 984, hier S. 976; „Moscheles in Frankfurt”, in: Literarisches Conversationsblatt 2 (1823), S. 1008.

[2] Vgl. „Frankfurt am Main. Im Oktober”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 25 (1823), Sp. 705-708, hier Sp. 705f.; A.E.K., „Aus Frankfurt am Main”, S. 976

[3] Alexander Brand hatte Faust für Violine und Klavier bearbeitet (vgl. Rez. „Faust, romantische Oper in zwey Aufzügen, von Louis Spohr, eingerichtet für Pianoforte und Violine von Alex. Brand”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 26 (1824), Sp. 232). 

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.02.2016).

Offenbach, 24. September 1823.

Ich zögerte mit der Antwort auf Ihren letzten Brief, um die Ankunft der ,Jessonda’ abzuwarten, indem mir alsdann Guhr bestimmt sagen kann, wenn sie in Szene kommen soll. Nun ist sie noch nicht hier, allein Guhr versichert mich, daß er sie unverzüglich vornehmen wird, versprach mir auch, daß von seiten der Ausstattung alles Mögliche geschehen solle.
Moscheles war, Pixis und Böhm sind hier. Ersterer gab ein Konzert und hatte eine reine Einnahme von fünfhundertfünzig Gulden. Letztere haben nur einen Gulden gewonnen ...
Böhm ist ein sehr tüchtiger Geiger ... Mit Pixis und Böhm und in Gegenwart von Moscheles haben wir Ihr Doppelquartett gemacht, welches sehr gefiel. Moscheles rühmte mir Ihr Klavierquintett ausnehmend. Er hat hier ein meisterhaft gesetztes Konzert in E-Dur gespielt, welches sein Talent für die Komposition in hohem Grade beurkundet ...