Autograf: Paul Sacher Stiftung Basel, Sign. Sammlung Rudolf Grumbacher 474

Cassel den 14ten
Juli 23.

Geliebter Freund,

Der Zweck dieses Briefes ist eine Bitte. – Mein Bruder, Mitglied der hiesigen Chapelle, ein geschickter Theoretiker, guter Geiger und Clavierspieler hat es aufgegeben selbst etwas zu komponieren, weil es ihm an Erfindung fehlt, hat aber dafür ein desto ausgezeichneteres Talent fremde Sachen zu arrangiren. So hat er jezt den Clavierauszug meiner neuen (am 28ten dieses zum ersten mal gegebenen) Oper Jessonda auf eine wahrhaft musterhafte Weise gemacht. Meine Bitte ist nun, daß Sie ihm mögten etwas zu arbeiten und zu verdienen geben. Wollen Sie irgend etwas zu 4 oder 2 Händen für Piano oder mit Begleitung von Instrumenten arrangirt haben, so vertrauen Sie es ihm an und er wird es (ich darf sagen,) besser wie irgend jemand in Leipzig (nach Schneiders Abgang) machen. Haben Sie z. B. Lust, meine neuen Quartetten zu 4 Händen, oder 2 Händen mit 1 Violine arragirt zu verlegen, so lassen Sie es doch von ihm machen. – Sollten Sie ihm aber Arbeit schicken, so vergessen Sie nicht die Partitur gefälligst einzusenden weil er sonst erst eine schreiben müßte.
Bey uns haben die Ferien aufgehört und ich stecke wieder bis über beyde Ohren in Arbeit. Die neue Oper wird mir (, hoffe ich) Freude machen. Die Proben fangen schon an recht gut zu gehen. Die Oper ist aber auch viel leichter wie die frühern und wird daher auch außwärts leichter Eingang finden können.
In wenigen Tagen beziehen wir unsere neue Gartenwohnung die wie ein kl. Paradies geworden ist. Dort will ich wieder fleißig arbeiten, denn seit Monathen habe ich keine Note geschrieben.
Leben Sie wohl und erfreuen Sie mich bald mit einer Antwort
Stets

der Ihrige
L. Spohr.

NS. Der Hr. Probst schickt mir alle Augenblick von seinem neuen Verlag und fragt an, ob ich denn gar nichts für ihn hätte?1

Erwähnte Personen: Probst, Heinrich Albert
Schneider, Friedrich
Spohr, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 61
Erwähnte Orte: Kassel
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823071420

http://bit.ly/2hQK4P6

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 28.06.1823. Peters beantwortete diesen Brief am 18.07.1823.

[1] Vgl. Peters an Spohr, 10.01.1823 und Spohr an Peters, 27.01.1823.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.12.2016).