Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Lieber Freund!

Da ich ohnlängst erfahren habe, daß Sie für ihr Orchester einen Clarinetisten suchen, so bin ich so frey, in dießer Angelegenheit mit einer Bitte mich an Sie zu wenden. Unser Clarinetist Gassner mit Nahmen wünscht, wenn es möglich wäre, in Kassel angestellt zu seyn. Ich kann ihn denselben mit gutem Gewissen als einen geschikten Künstler und sehr braven jungen Mann empfehlen. Er steht jetzt schon auf einer bedeutenden Kunststufe, und wird sich unter Ihrer vortrefflichen Leitung immer mehr vervollkommenen. Wenn Sie in dießer Hinsicht Etwas für ihn thun können, so werden Sie mich sehr verbinden.
Ich bin vor einiger Zeit von meiner Kunstreiße nach München wiederzurückgekommen, und bin in jeder Hinsicht mit meinem dortigen Aufenthalte sehr zufrieden.1 Ich habe den Violinspieler Molique kennen gelernt, der ein sehr braver Künstler und ein große Verehrer Ihrer schönen Compositionen ist. Gott gebe, daß Sie wieder einmal uns besuchen mögten, damit ich doch Sie2 wieder hören und genießen könnte.
Durch einen Brief aus Kassel habe ich erfahren, daß Ihre Tochter3 in einem Konzert sich mit vielem Beifall hat hören lassen, was Ihnen große Freude wird gemacht haben, und wozu ich Ihnen von Herzen Glük wünsche.
Ihrer werthen Frau Gemahlinn bitte ich mich bestens zu empfehlen, so4 wie ich Ihnen meine Angelegenheit nochmals empfehle, und mich mit Vergnügen nenne

Ihren ergebensten
Frey Konzertmeister.

Mannheim d 2ten Januar
1823.

Autor(en): Frey, Michael
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Gassner (Klarinettist in Mannheim)
Molique, Bernhard
Zahn, Emilie
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: München
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823010240

http://bit.ly/3HjEHCd

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Frey an Spohr, 03.08.1822. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Frey an Spohr, 10.05.1824.

[1] Vgl. „München, Ende Decembers 1822“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 25 (1823), Sp. 43ff., hier  Sp. 43; „München, Ende Nov.“, in: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (1822), S. 1230.

[2] Hier ein oder zwei Buchstaben gestrichen.

[3] Emilie, später verh. Zahn.

[4] Hier gestrichen: „woh“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.02.2022).