Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Meiningen, d. 5 Dec. 1822.

Lieber Herr Kapellmeister,

Glücklich bin ich hier am Montag Morgen 4 Uhr angelengt; die Witterung war so rauh und kalt daß die Straße von Cassel hierher, daß ich den Augenblick meiner Ankunft kaum erwarten konnte. Man hatte mich auch schon früher erwartet, doch war von der Verspätung weiter gar keine Rede, der Herzog und die Herzogin empfingen mich mit der größten Freundlichkeit. Erst künftigen Sonntag beginn ich wieder mein Amte. – Ach, wie oft schwebte mir noch Ihr Faust vor! Einzelne Ideen verlaßen mich garnicht; die Musik ist so poetisch, daß ich gar nicht sagen kann, wie sie mir gefallen u. was mir vorzugsweise gefallen hat. –
Der Flötist Zeirer, welcher eben in Coburg u. Hildburghausen war, um sich ein Unterkommen zu suchen, ist ohne seinen Zweck zu erreichen, jetzt wieder hier angekommen. Der arme Teufel ist leider in der bedrängtesten Lage u. fragt nun durch mich bey Ihnen an, ob Sie ihn nicht nebst seiner Frau beym Chor engagiren wollten, und imfalle der Bejahung, wie viel Besoldung er zu erwarten? Er bittet dringend um schleunige Antwort, da er sich hier nicht lange aufhalten darf! – Seine Frau, die stündlich ihre Entbindung erwartet, erhält noch für ein halbes Jahr die Besoldung ihres Mannes. –
Wegen der Dem. Paasche hab ich schon nach Hamburg geschrieben; das Violoncel für Hasemann ist jetzt in Reparatur. –
Herzliche Grüße Ihrer Gattin, Ihrer Schwägerin u. Ihren Töchtern, u. Ihnen noch meinen innigsten Dank für die Kunstfreuden von Ihrem

Eduard G.

Autor(en): Grund, Eduard
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Zeirer (Flötist)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Coburg
Hildburghausen
Meiningen
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822120539

http://bit.ly/3z0KaNV

Spohr



Das letzte erhaltene Schriftstück dieser Korrespondenz ist Eduard Grunds Nachschrift in Wilhelm Grund an Spohr, 16.06.1822. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 09.02.1823.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.05.2022).