Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,214

Herrn
Hofkapellmeister Louis Spohr
Wohlgeb.
Cassel
in Hessen.


Offenbach, 20 Oct. 1823.1

Theurer Freund!

Man läßt 1 Pfund Sassaparill2 in der Apotheke in kleine Stückchen schneiden, und in Loth zu [???] eintheilen. Auf ein solches Päckchen schüttet man ohngefähr 3/4 Schoppen kochendes Wasser, läßt es eine gute Viertelstunde kochen, damit nur 2 Tassen übrigbleiben, und trinkt morgens und abends gegen 6 Uhr eine solche Portion (d.h. jedesmal 2 Tassen) mit etwas Milch vermischt. Die Kur muß jedoch einige Monate lang ununterbrochen fortgesetzt werden. – Sollte Emilie in der ersten Zeit einige Magenbeschwerung empfinden, so nehmen Sie die halbe Portion, um sich daran zu gewöhnen. Uebrigens lassen Sie sich nicht durch den Geschmack abschrecken, denn in kurzer Zeit gewöhnt man sich daran, besonders mit etwas Milch durchmischt. Auch trinke sie eine ganze Tasse ohne abzusetzen, welches den Widerwillen vermindern wird. – Wir wünschen Ihnen den besten Erfolg, machen Sie aber darauf aufmerksam, daß die Sassaparill von sehr guter Qualität sein müsse, weswegen Sie solche vom Meter in Litzen(?)3 u. Bündel kaufen mögen, u. hierauf in der Apotheke schneiden lassen.
Mit wahrer Ungeduld sehe ich den Quartetten entgegen und bitte Sie den Hr. Peters an die Herausgabe zu mahnen.
Ihrem empfohlenen Herrn Dotzauer werde ich die beste Aufnahme bereiten. Gegenwärtig ist Mazas aus Paris hier, welcher ein Concert geben wird.4 Er spielt ganz in Lafond’scher Manier, nett und elegant.
Unser Gruß den Ihrigen. Von Herzen WmSpeyer.

Erwähnte Personen: Dotzauer, Justus Johann Friedrich
Lafont, Charles Philippe
Mazas, Jacques Fereol
Peters, Carl Friedrich
Zahn, Emilie
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Quartette, V 1 2 Va Vc, op. 58
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Peters <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822102032

http://bit.ly/1mF0RoP

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 23.09.1822. Spohr scheint diesen Brief nicht beantwortet zu haben, so dass Speyer an Spohr, 22.12.1822 anschließt.

[1] Bei der Jahreszahl handelt es sich offensichtlich um einen Schreibfehler Speyers.

[2] Vgl. Hanckock, „Ueber die Sassaparille”, in: Magazin für Pharmacie und die dahin einschlagenden Wissenschaften 31 (1830), S. 141-144. 

[3] Litze = Schnüre.

[4] Vgl. „Frankfurt am Main, im März”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 25 (1823), Sp. 181-185, hier Sp. 183.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (16.02.2016).