Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,206
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 66 (teilweise)

Herrn
Hofkapellmeister Louis Spohr
Wohlgeb
Cassel
in Hessen.


Offenbach am 26 August 1822.

Theurer Freund!

Es war eigentlich meine Pflicht, Ihnen sogleich Nachricht unserer glücklichen Ankunft zu geben, allein ich wurde durch viele Beschäftigungen davon verhindert. Empfangen Sie nun den herzlichsten Dank für die überaus freundliche Aufnahme, für die genußreichen Stunden, die Sie uns bereitet haben und sein Sie versichert, daß die in Ihrer Mitte verlebten Stunden unter die glücklichsten unseres Lebens gehören. Die Überzeugung, daß Sie in Cassel so vergnügt und glücklich sind, und daß Sie dort einen Wirkungskreiß gefunden haben wie er Ihnen gebührt, hat nicht wenig beigetragen, mir den dortigen Aufenthalt zu versüßen. Sagen Sie noch insbesondere Ihrer lieben Frau, daß wir der liebevollen, herzlichen Behandlung gewiß eingedenk bleiben werden. – Bei unserer Nachhausekunft fanden wir alles gesund und wurden sogleich durch einen angenehmen Besuch überrascht. Es war der junge Grund, der eine Rheinreise mit seinem Bruder macht, und alsdann über Cassel nach Hamburg auf Besuch gehet.
Mit Vergnügen laß ich heute in der hiesigen Zeitung daß die Niederländische gelehrte Gesellschaft Sie zum correspondirten Mitglied gewählt.1 Wissen Sie vielleicht noch nichts davon? – Neuigkeiten weiß ich Ihnen kaum zu melden, und fasse mich daher heute ganz kurz. Ihren Herrn Bruder empfehlen Sie mich bestens, und danken Sie ihm für die Freundschaft die er uns erzeugt, auch Herrn Hauptmann, Hauser, Hasemann pp. Mit unveränderlicher Liebe Der Ihrige

Wm. Speyer.

Erwähnte Personen: Hasemann, Nikolaus
Hauptmann, Moritz
Hauser, Franz
Spohr, Dorette
Spohr, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Hamburg
Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822082632

http://bit.ly/1QDtSJP

Spohr



Zwischen diesem Brief und dem vorigen Brief dieser Korrespondenz, Spohr an Speyer, 10.08.1822, liegt ein Kassel-Aufenthalt Speyers. Spohr beantwortete diesen Brief am 23.09.1822.

[1] Vgl. Frankfurter Ober Postamts Zeitung 26.08.1822, nicht paginiert.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.02.2016).

Offenbach, 26. August 1822.

... Empfangen Sie nun den herzlichsten Dank für die überaus freundliche Aufnahme, für die genußreichen Stunden, die Sie uns bereitet haben und seien Sie versichert, daß die in Ihrer Mitte verlebten Stunden unter die glücklichsten unseres Lebens gehören. Die Überzeugung, daß Sie in Cassel so vergnügt und glücklich sind, und daß Sie dort einen Wirkungskreis gefunden haben wie er Ihnen gebührt, hat nicht wenig beigetragen, mir den dortigen Aufenthalt zu versüßen. Sagen Sie noch insbesondere Ihrer lieben Frau, daß wir der liebevollen, herzlichen Behandlung gewiß eingedenk bleiben werden ...