Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,39

Herrn
Wilhelm Speyer
Wohlgeb
Offenbach a/m


Cassel den 28sten
Juli 1822.

Geliebter Freund,

Sie haben uns eine unerwartete und um so größere Freude durch die Zusage Ihres und Ihrer lieben Frau Besuch gemacht und wir bitten sehr, wenn Sie mit unserer frugalen Bewirthung Vorlieb nehmen wollen, bey uns zu abzutreten. Hinsichtlich der Zeit wird, glaube ich, die erste Hälfte des September die beste zu Ihrer Reise seyn, da wir alsdenn die interessantesten Theatervorstellungen haben werden und meine Meßgeschäfte, die mich sehr oft des Vergnügens berauben würden in Ihrer Gesellschaft zu seyn, alsdenn zu Ende gehen. Ob der Faust bis dahin gegeben werden kann, läßt sich noch nicht mit Gewißheit bestimmen, da ich nicht weiß, ob die Maler und der Maschinist fertig werden können. In jedem Fall werden manches interessante hier hören und sehen, so wie wir denn überhaupt recht vergnügt seyn wollen. Bestimmen Sie nun recht bald die Zeit Ihres Eintreffens damit ich auch im Voraus ein wenig mich mit dem Repertoire unserer Oper darauf richte.
Wir haben jetzt Besuch von meiner Mutter, Tante1 und Herr Schad aus Gotha. Heute am Geburtstag der Kurfürstin wird die Zauberflöte nach langer Ruhe mit neuer, sehr vorzüglicher Besetzung und 12 neuen wunderschönen Decorationen zum erstenmal wieder gegeben. Ich wollte, Sie könnten hier seyn; Sie würden Freude am Orchester und an der ganzen Aufführung haben.
Meine Frau läßt Sie und [die] lieben Ihrigen auf das herzlichste g[rüßen.] Ich schließe weil ich wieder in's Theater muß. Leben Sie wohl. Ewig

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Schade, Johann Gottfried
Speyer, Charlotte
Spohr, Ernestine
Erwähnte Kompositionen: Mozart, Wolfgang Amadeus : Die Zauberflöte
Spohr, Louis : Faust
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822072802

http://bit.ly/1ogtIRv

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Speyer an Spohr, 20.07.1822. Speyers Antwortbrief ist derzeit verschollen. Speyer beantwortete diesen Brief am 07.08.1822.

[1] Nicht ermittelt. Falls es sich um eine Schwester von Ernestine Spohr handelt, kämen in Frage: Johanne Wilhelmine Henke, Christiane Philippine Henriette Henke und Albertine Justine Karoline Henke ([Ludwig] Spohr, Spohr'sches Familienbuch. Genealogie der Familie Spohr aus Alfeld und kleine Beiträge zu einer Familien-Chronik, Karlsruhe 1909, S. 22f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.02.2016).