Autograf: bis mindestens 1943 im Besitz von Werner Wittich, danach Kriegsverlust (vgl. Druck, S. 14)
Druck: Louis Spohr, Briefwechsel mit seiner Frau Dorette, hrsg. v. Folker Göthel, Kassel und Basel 1957, S. 37ff.

Kassel, den 2ten Februar 22

Mein herzlich geliebtes Weibchen,

Ich schreibe Dir heute, weil ich Dir die Einlagen zu schicken habe. Die Mutter schreibt mir in der ersten Hälfte ihres Briefes1, daß sie Dir am 11. Januar geschrieben habe, und Du hast nach Deinem Briefe, den ich gestern bekommen habe, noch keine Zeile von Gandersheim erhalten! Es muß also der Brief verloren gegangen sein! - Deine Idee, uns auf der Frankfurter Messe Sachen einkaufen zu lassen, wäre übel nicht, wenn nicht auch hier eine Messe wäre, wo man alles und ebenso wohlfeil wird haben können. Das Übele ist nur, daß sie bei Deiner Ankunft eben vorbei sein wird. Ich müßte daher durch jemand hier die Einkäufe besorgen lassen und habe mir dazu schon Wiele's Mutter, die mir eine verständige Hausfrau zu sein scheint, ausersehen. Wenn Du mir nur im nächsten Briefe genau bestimmen könntest, was gekauft werden soll. - Dann habe ich im vorigen Brief eine Bitte vergessen. Laß doch Dir und den Kindern in Dresden die nöthigen Kleider machen, nicht bloß zu Reise, sondern auch um gleich hier anständig erscheinen zu können. Es wird nicht fehlen, daß Ihr wie ich gleich und noch täglich in Gesellschaften gezogen werdet, wo einiger Luxus von Eurer Seite nötig sein wird. Ich weiß, daß Dein Geld dazu nicht hinreicht, und werde daher sorgen, daß Peters Dir vor Ostern noch welches schicke.2
Aus dem Brief meiner Mutter wirst Du ersehen, welchen sehnlichen Wunsch sie in Gandersheim hegen. Ich hatte bis jetzt keine Lust, Ferdinand hieher zu ziehen, weil es mir fatal ist, einen Bruder vorzuschlagen und empfehlen zu müssen; da sie aber in Gandersheim so sehnlichst darauf hoffen, so will ich es möglich zu machen suchen.
Dem. Canzi ist bis Ostern engagiert. Am Freischütz studieren wir schon. Sobald dieser gegeben ist, kommt's an Zemire u. Azor. Von Ostern an ist Dem. Braun engagiert, die dann in der Canzi Rollen eintreten kann. Die Mutter schreibt mir, daß der Vater mich in 3-4 Wochen zu besuchen gedenke. Ich habe ihn nämlich eingeladen, da ich ihn sehr gut auch vor Deiner Ankunft logieren kann.
Der Kurfürst hat gewünscht, daß das nächste große Konzert der Kapelle, in dem ich spielen werde, im Theater gegeben werde, weil er den Saal nicht gern besucht. Es wird nächsten Dienstag stattfinden und ich darin daß d-moll-Konzert und die Irrländer spielen. Meine Geige ist jetzt sehr vorzüglich. Am vorigen Sonntag spielte ich zum ersten Mal meine beiden Soloquartetten. - In dem Konzert der Canzi hörte ich Wiele zum erstenmal. Er spielte in seiner Manier sehr vorzüglich. Seine Spielart kommt der von Mayseder am nächsten. - Grund schreibt mir, daß er in Meiningen sehr glücklich sei und im April hieher zu kommen gedenke.3 Lebe wohl, Du Wonne meiner Seele.

Dein Louis.



Dieser Brief ist die Antwort auf Dorette Spohr an Louis Spohr, 26.01.1822. Postweg dieses Briefs überschnitt sich mit dem Postweg eines derzeit verschollenen Briefs von Dorette Spohr an Louis Spohr. Dorette Spohr beantwortete diesen und Spohrs vorigen Brief vom 31.01.1822 am 06.02.1822.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Vgl. Spohr an Carl Friedrich Peters, 12.02.1822.

[3] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.12.2016).