Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Entwurf: Hessisches Staatsarchiv Marburg (D-MGs), Sign. Best. 159 Nr. 179, Bl. 38
Abschrift: ebd., Bl. 39f.

Sr Wohlgebohr.
dem Herrn Kapellmeister L. Spohr
gegenwärtig
in
Dresden.

zu erfragen
bei H. Kapellmeister
v. Weber.

franco.


Herrn Kapellmeister Spohr Wohlgeb.
in Dresden.

Cassel d. 27t Dec.
1821.

Wohlgeborner,
Hochzuverehrender Herr!

Gleich nach Empfang Ihres sehr genehmen Schreibens vom 15ten d.M.1 habe ich die in demselben enthaltenen Bedingungen Sr königl. Hoheit dem Kurfürsten vorgelegt, was auf Allerhöchst dieselben folgendes zu bestimmen allergnädigt geruht haben:
1.) Ew. Wohlgeb. werden als Hofkapellmeister, und wirklicher Chef der Oper beim hiesigen kurfüstl. Hoftheater, auf Lebenszeit, mit einer jährl. Gage von Rth. 2000, sage Zweitausend Thaler engagiert.
2.) In dieser Eigenschaft haben Ew. Wohlgebor. die Führung aller zur Oper gehörigen Geschäfte, so wie Sitz und Stimme bey der Wahl der zu gebenden musikalischen Darstellungen.
3.) Ew. Wohlgebor. erhalten Ihrem Wunsche gemäß den verlangten Reiseurlaub, jährlich 6 bis 8 Wochen.
Endlich werden Ihnen die gehabten Reisekosten ersetzt, worrüber wir uns bei Ihrer Ankunft mündlich besprechen werden.
Einstweilen belieben Ew. Wohlgebohr. diesen Brief als Interimskontrakt anzusehen.2 Bald nach Ihrer erfolgten Ankunft wird Ihnen das Allerhöchste Reskript, welches Ihre lebenslängliche Anstellung sichert, eingehändigt werden.
Indem ich wünsche daß Ew. Wohlgebohr. uns der Allerhöchsten Orts Ihnen gewordenen Bewilligung aller in Ihrem Schreiben enthaltenen Bedingungen, erkennen mögen, wie sehr ich mir es habe angelegen sein laßen, einen Mann von erprobtem Talent anerkannter Thätigkeit und höchstschätzbaren Kenntnißen für die hiesige Anstalt zu gewinnen, glaube ich überzeugt sein zu dürfen, daß Sie mit allem Ernste und nothwendiger Energie mit mir im Vereine dahin wirken werden, Cassels Oper zu einem ehrenvollen Standpunkte zu erheben, um so den Wünschen und Anforderungen des Allerhöchsten Hofes und des hiesigen Publikums zu entsprechen. Was einerseits zu einem glücklichen Erfolg dieses Zweckes geschehen kann, daran soll es nie fehlen, und Sie mögen sich im Voraus meiner kräftigsten Unterstützung aller Irer zum Wohl des Ganzen gereichenden Vorschläge versichert halten.
Schließlich ersuche ich Ew. Wohlgeborh. nur noch, mir gefälligst in Ihrer recht baldigen Antwort möglichst genau, den Zeitpunkt Ihres hiesigen Eintreffens, der uns je eher je lieber willkommen sein wird, zu bestimmen, damit ich im Fall einer Anfrage von Seiten Sr Königl. Hoheit eine entsprechende Auskunft zu geben vermag.
Hoffend, Ihnen bald persönlich Beweise meiner vorzüglichen Werthschätzung geben zu können,habe ich die Ehre bis dahin mit vollkommenster Hochachtung zu verharren

Ew. Wohlgeb. ganz ergebenster
Feige.

Erwähnte Personen: Weber, Carl Maria von
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1821122743

http://bit.ly/2FKR0IW

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Feige, 15.12.1821. Spohrs Antwortbrief vom 07.01.1822 ist derzeit ebenfalls verschollen.

[1] Der Entwurf datiert Spohrs Brief abweichend von Autograf und Abschrift auf den 18.12.1821. Horst Heussner geht dennoch davon aus, dass es sich bei Spohrs Brief um einen Brief vom 15.01. handelt, der am 18.01. in Kassel eingetroffen sei („Der Hofkapellmeister Ludwig Spohr – ein sozialgeschichtliches Porträt“, in: Festschrift Hans Engel zum siebzigsten Geburtstag, hrsg. v. Horst Heussner, Kassel u.a. 1964, S. 134-154, hier S. 136).

[2] Hier auf dem linken Seitenrand der Abschrift(!) von anderer Hand vermerkt: „nicht bestätigt / Friedrich Wilhelm“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.03.2018).