Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,21

Sr. Wohlgeb.
Herrn Wilhelm Speyer
Neue Mainzergasse
Frankfurt a/m


Gandersheim, den 25sten
October 20.

Geliebter Freund,

Schon seit einiger Zeit hofften wir von einem Posttage zum anderen auf Nachrichten von Ihnen, aber immer vergebens. Nun wird unser Aufenthalt hier höchstens nur noch 14 Tage dauern und ich darf daher wohl nicht einmal mehr eine Antwort auf diesen Brief erwarten. Umso mehr freuen wir uns aber darauf Sie und die Ihrigen noch auf einige Tage zu sehen, da wir uns nun bestimmt haben, den nächsten großen Weg nach Paris über Frankfurt, Mainz und Metz zu nehmen. Meiner Rechnung nach werden wir den 16ten oder 17ten in Frankfurt eintreffen. Anfangs waren wir entschlossen auf der ganzen Reise bis Paris gar1 kein Concert zu geben und diese bis zur Rückreise zu versparen; da wir diese nun aber nach reiflicher Überlegung über Holland nehmen werden, da ich ferner jetzt eine ganze Reihe von neuen Konzertpiecen habe, die man in Frankfurt noch nicht gehört hat (Sinfonie, Violinconcert Dmoll, Variationen über Irrländische Themen und das neue große Pianoforte-Quintett,) so entsteht doch der Wunsch in mir ein Concert in Frankfurt zu geben, wenn anders ein freyer Tag zu haben ist. Da ich aber der Unannehmlichkeiten noch eingedenk bin, die Sie das letztemal beym Arrangement unseres Concerts hatten, so bitte ich Sie diesesmal um zweyerley, wovon ich überzeugt seyn kann, daß es Ihnen keinen Verdruß machen wird; nemlich Montag den 20ten oder Mittwoch den 22ten November (wenn dieß nämlich freye Theatertage sind,) auf der Polizey für uns zu belegen und 2tens eine vorläufige, öffentliche Ankündigung zu veranstalten, die ich am liebsten hätte, wenn Sie sagten: daß uns die Frankf. Musikfreunde veranlassen würden bey unserer Durchreise nach Paris ein Concert zu geben. – Alles Übrige, Lokal, Orchester, Sänger u.s.f. würde ich selbst bey der Ankunft besorgen. – Sollte keiner der obengenannten Tage oder noch allenfalls Freytag der 24te zu haben seyn, so würde ich auf ein Concert verzichten. – Vom Quedlinburger Musikfest wie von anderen Musik. Gegenständen mündlich das Weitere.2 – Von meiner Frau und mir an alle die Ihrigen die herzlichsten Grüße. Ich freue mich unendlich auf's Wiedersehn.

Mit herzlicher Freundschaft
der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Konzerte, Vl Orch, op. 55
Spohr, Louis : Potpourris, Vl Orch, op. 59
Spohr, Louis : Quintette, Fl Kl Fg Hr Kl, op. 52
Spohr, Louis : Sinfonien, op. 49
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Mainz
Metz
Paris
Quedlinburg
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1820102502

http://bit.ly/1TwwWg1

Spohr



Als Spohr diesen Brief schrieb, wartete er auf Antwort auf seinen Brief an Speyer vom 26.09.1820. Dabei überschnitt sich der Postweg dieses Briefs mit Speyers Brief vom 26.10.1820, auf den Spohr am 03.11.1820 antwortete.

[1] Hier gestrichen: „nicht”.

[2] Vgl. „Musikfest zu Quedlinburg”, in: Literarisches Conversationsblatt 21.11.1820, nicht paginiert.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (01.02.2016).