Autograf: Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden, Schriftgutsammlung, Sign. SMD_SD_2021_00170
Digitale Edition: Museen der Stadt Dresden – Sammlungen Online

Herrn
Herrn B. Hausmann
Wohlgeb.
Hannover.

franco.1


Gandersheim
den 20ˢᵗᵉⁿ October
20.

Geehrter Freund,

Unendlich leid that es mir, die mir durch Bischoff gemachte Hoffnung, Sie in Quedlinburg zu treffen2, nicht erfüllt zu sehen. Sie würden dort manchen Kunstgenuß gehabt haben und für die freilig weite Reise bey Ihrer Liebe zur Kunst doch reichlich entschädigt worden seyn.
Zur Aquisition einer Stradivari Geige, die gut erhalten bald zu den größten Seltenheiten gehören werden, gratuliere ich Ihnen von Herzen.3 Um Sie in Stand setzen zu lassen, können Sie sie unbedenklich dem Instrumentenmacher Schramm in Gotha anvertrauen, der alles Nöthige selbst4 ohne weitere Angabe, daran machen wird.
Auch kann er, wenn Sie es wollen meinen verbesserten Saitenhalter5 daran machen, wozu ich ihm das Modell gegeben habe.6 – Sollte die Geige Ihnen im Ton, so wie Sie jetzt ist, vollkommen genügen, so rathe ich Ihnen den Steg zurückzubehalten und7 ihn nach der Rückkunft der Geige wieder daraufzusetzen, im Fall Sie sie mit dem neuen, von Schramm verfertigten, nicht so gut finden sollten, denn ein Steg, an den sich die Geige seit vielen Jahren gewöhnt hat, ist selbst bey fehlerhafter Construktion besser wie ein neuer. –
Sollte es nöthig seyn, die Geige aufzumachen so können Sie auch dieses dem Schramm unbedenklich anvertrauen, da er vorsichtig und geschickt ist. Sorgen Sie aber nur, daß die Geige auf der Reise keinen Schaden nehme. Am besten ist es wenn der Kasten in Stroh und Leinen emballirt8 wird.
Meine Frau läst sich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin angelegentlich empfehlen.
Mit ausgezeichneter Hochachtung und Freundschaft stets

der Ihrige
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hausmann, Bernhard
Erwähnte Personen: Bischoff, Georg Friedrich
Schramm, Johann Gottfried
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Quedlinburg
Erwähnte Institutionen: Elbe-Musikfeste <wechselnde Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1820102017

http://bit.ly/

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Hausmann an Spohr. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Hausmann, 27.10.1827.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der leicht verwischte Poststempel „GANDERSHEIM“. Außerdem befindet sich auf dieser Rückseite des Briefs Hausmanns Antwortvermerk „1820 / Gandersheim 20 Oct / Spohr / ret“.

[2] Zum Elbe-Musikfest in Quedlinburg am 12. und 13.10.1820 vgl. „Musikfest zu Quedlinburg”, in: Literarisches Conversationsblatt 21.11.1820, nicht paginiert; Louis Spohr, Lebenserinnerungen, Bd. 2, Tutzing 1968, S. 94, Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 111.

[3] Vgl. dazu: „Ende September 1820 gelingt es Hausmann, in Celle für 70 Louisdor eine Stradivari zu erwerben, von deren möglichen Verkauf er im Frühjahr gehört hatte“ (Joachim Petersen, Bernhard Hausmann. Bürger, Fabrikant, Kunstsammler, Göttingen 2009, S. 54).

[4] „selbst“ über der Zeile eingefügt.

[5] Vgl. Spohr an Wilhelm Speyer. 21.02.1820.

[6] Vgl. Spohr an Carl Friedrich Peters, 17.09.1820.

[7] Hier ein oder zwei Buchstaben gestrichen.

[8]emballiren, einpacken, einballen“ (Friedrich Erdmann Petri, Gedrängtes Deutschungs-Wörtebuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter entstellenden fremden Ausdrücke, zu deren Verstehn und Vermeiden, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 167).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.09.2021).