Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,15
Druck 1: [Wilhelm Speyer], „Frankfurt am Mayn”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 22 (1820), Sp. 430-436, hier Sp. 436 (teilweise)
Druck 2: „Briefe von L. Spohr”, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 8 (1860), S. 73-77 und 93f., hier S. 73f.
Druck 3: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 47ff. (teilweise)

Herrn
Herrn Wilhelm Speyer
neue Mainzergasse
Frankfurt a/m.


London den 27. März
20.

Geliebter Freund,

Absichtlich habe ich bis jetzt gezögert, Ihnen zu schreiben, um Ihnen gleich etwas Genaues über meine hiesigen Verhältnisse und über die Weise wie man hier die Kunst treibt, melden zu können. Jetzt nach einem Aufenthalt von 4 Wochen bin ich einheimisch genug um mit Sicherheit ein Urtheil fällen zu können. Sollte indessen diese Verzögerung Veranlassung gewesen sein, daß Sie durch eine Pariser Zeitungsneuigkeit1, die uns bei unserer Überfahrt von Calais nach Dover umkommen läßt, erschreckt worden wären, so würde ich mir doch Vorwürfe machen Ihnen nicht gleich gemeldet zu haben, daß wir, ob wir gleich in der stürmischen Zeit die Überfahrt wagen mußten, wo nach hiesigen Börsennachrichten mehr als 150 Schiffe an den englischen Küsten theils zu Grunde gegangen theils verschlagen worden, doch wohlbehalten angekommen sind und uns bald von der Angst und dem Übelbefinden der Überfahrt erholt haben. – Zuerst also, dass ich von allen den Leuten, an die ich empfohlen war, so wie von allen Künstlern, die ich besucht habe, auf das zuvorkommenste aufgenommen worden bin und daß H Pensa vollkommen Recht hat, wenn er behauptet: die Engländer seien bei sich unendlich liebenswürdiger, als man sie auf Reisen in fremden Ländern kennen lernt. Dann, dass das hiesige Kunsttreiben grosse Contraste darbietet (die überhaupt in grossen Städten am grellsten hervortreten), dass man neben vielem Vortrefflichen und Lobenswerthen auch das Erbärmlichste zu hören bekommt, dass es sich mit einem Wort doch deutlich zeigt, dass die Engländer keinen Beruf zur Musik und keinen wahren Sinn dafür haben. Zwar treiben sie, wie alles, auch Musik mit Ernst, allein man merkt es ihnen wie den reisenden Engländern in Italien bei Besichtigung der Kunstschätze und Alterthümer bald an, daß es ihnen mehr eine Arbeit als ein Genuß ist und daß sie beym Ende eines Concertes wohl auch sagen könnten, wie jene nach einer Kunst-Besichtigung in Rom: Gottlob, das wäre wieder überstanden! Schon dass sie Concerten von 4 oft 5 Stunden Länge mit einer kurzen Pause bis zu Ende mit Aufmerksamkeit und Ernst zuhören können, beweist, daß die Musik nicht in ihr Inneres dringe, weil sie sonst schon vor der ersten Hälfte erschöpft seyn müßten. Auch dass sie am selben Abende das Herrlichste so wie das Erbärmlichste mit gleicher Theilnahme anhören, in demselben Concerte ein classisches Musikstück von Mozart und einen englischen Gassenhauer ohne allen Kunstwerth da capo verlangen können, beweist, daß sie das Gute vom Schlechten gar nicht zu unterscheiden wissen. Daß dieß übrigens nur vom gewöhnlichen Concert-Publicum gemeint ist und dass in einer Stadt von 1200,000 Einwohnern wohl auch einige sich finden die eine rühmliche Ausnahme machen und denen man ein Kunsturtheil zugestehen kann, versteht sich von selbst. – Daß ich mit dieser Ueberzeugung bei meinem ersten Debut heute vor drei Wochen (wo ich im ersten Concerte der Ph. Ges. meine Scene spielte) mit grosser Befangenheit hintrat, kann ich nur durch die Gegenwart von Viotti und vieler anderen ausgezeichneten Künstler deren vielleicht zu überspannte Erwartungen ich zu befriedigen hatte, erklären; und obgleich diese, so wie das Publicum einen grossen Beyfall schenkten, so war ich doch selbst sehr wenig mit mir zufrieden und wünschte mit Ungeduld mein 2tes Auftreten herbei. Heute vor 8 Tagen spielte ich denn im 2ten Concerte der Ph. G. mein Quatuor brillant in E#-dur mit solchem Erfolg daß ich seit der Zeit alles für mich gewonnen habe. Auch wurde ich am vorigen Mittwoch, wo ich zum 3ten mal im Theatre Drurylane in einem so genannten Oratorio mein Potpourri in B. spielte, mit solcher Auszeichnung empfangen und entlaßen, wie sie selten einem fremden Künstler zu Theil geworden ist. – Im 3ten Concerte d. P. G. werde ich dirigiren und als Componist mit einer neuen großen Sinfonie in D moll, die ich gleich nach unserer Ankunft hier angefangen und vor ein paar Tagen beendigt habe, debütiren. Daß ich mich unendlich darauf freue dieses Werk, das ich mit grosser Begeisterung empfangen und geboren habe, von einem so herrlichen und stark besetzten Orchester wie das der Ph. Ges. (28 Violinen, 12 Bässe u.s.w.) und in einem so würdigen Lokale, wie der neue Saal von Argyle Rooms ist, zum erstenmal zu hören, können Sie Sich leicht denken. Später werde ich dann auch meine alte Sinfonie so wie meine Ouvertüren die hier noch nicht gemacht worden sind, zu[r] Aufführung bringen.
Ob wir hier etwas Bedeutendes gewinnen werden, [wird die] Zukunft lehren; daß es etwas seyn wird, weiß ich [schon] indem ich die Kosten des Aufenthaltes schon ohngefähr [berech]nen kann. Bis jetzt sind wir theils beyde, theils ich allein [zu] 3 Concerten für Honorar zu spielen engagirt. Auch habe ich angefangen, Unterricht zu geben.2 Ob der König uns hören wird ist noch nicht entschieden; er ist noch nicht zur Stadt zurückgekehrt. Unser Benefiz Concert ist auf den 8ten Juni bestimmt; ich hoffe ziemlichen Erfolg davon. – Schreiben sie uns doch, ob es Ihnen recht ist, wenn ich 100 Guineen, die ich mir bei unserer Ankunft von Herrn Obicini auszahlen ließ, vor unserer Abreise von hier an ihn zurückzahle, so etwa ich auch das, was wir hier erübrigen werden, gern bey ihm für Ihre Rechnung deponiren mögte. – Von den hiesigen Künstlern, die wir bis jetzt gehört haben, schreibe ich Ihnen das nächste Mal; interessant war ein Concert der alten 70jährigen Mara.3 – Meine Veränderung an der Geige bewährt sich als vortrefflich; die hiesigen Künstler fangen schon an, sie nachzumachen.4 – Ihren Brief hieher mit Nachrichten über Maurer und Frankfurt’s Concertleben habe ich richtig erhalten. Wir sehen nun mit Sehnsucht neueren entgegen. – Unsere Wohnung ist: 49 Charlotte Street, Portland Place. – Meine Frau und ich grüßen herzlich die Ihrigen.



Dieser Brief ist die Antwort auf einen verschollenen Brief von Wilhelm Speyer an Spohr. Möglicherweise überschnitt sich der Postweg von Speyers Brief mit Spohrs Brief vom 21.02.1820. Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 17.04.1820.

[1] Vgl. „Vermischte Nachrichten”, in: Leipziger Zeitung (1820), S. 620f., hier S. 620; Oestereichischer Beobachter (1820), S. 416

[2] Zu Spohrs Londoner Schülern vgl. Karl Traugott Goldbach, „Spohr’s London students in 1820”, in: Spohr Journal 41 (2014), S. 2-5.

[3] Vgl. Spohr an Speyer, 17.04.1820.

[4] Vgl. Spohr an Speyer, 21.02.1820; Karl Traugott Goldbach, „Louis Spohr und der Kinnhalter“, in: Musikforschung 68 (2015), S. 123-135, hier v.a. S. 129.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.01.2016).

Im 3ten Concert der philharm. G. werde ich dirigiren und mit einer neuen grossen Sinfonie in D moll, die ich gleich nach unserer Ankunft hier angefangen und vor ein paar Tagen beendigt habe, debutiren. – Dass ich mich unendlich darauf freue dieses Werk, das ich mit grosser Begeisterung empfangen und geboren, von einem so herrlichen und stark besetzten Orchester wie das der philharmonischen Gesesllschaft (28 Violinen, 12 Bässe u.s.w.) und in einem so würdigen Lokale, wie der neue Saal von Arghyl Room ist, zum erstenmal zu hören, können Sie Sich leicht denken.

London, den 27. März 1820.
Geliebter Freund!
Absichtlich habe ich bis jetzt gezögert, Ihnen zu schreiben, um Ihnen gleich etwas Genaues über meine hiesigen Verhältnisse und über die Weise, wie man hier die Kunst treibt, melden zu können. Jetzt nach einem Aufenthalt von vier Wochen bin ich einheimisch genug, um mit Sicherheit ein Urtheil fällen zu können. Sollte indessen diese Verzögerung Veranlassung gewesen sein, dass Sie durch eine pariser Zeitungs-Neuigkeit, die uns bei unserer Ueberfahrt von Calais nach Dover umkommen liess, erschreckt worden wären, so würde ich mir doch Vorwürfe machen, Ihnen nicht gleich gemeldet zu haben, dass wir, ob wir gleich in der stürmischen Zeit die Ueberfahrt wagen mussten, wo nach hiesigen Börsen-Nachrichten mehr als 150 Schiffe an den englischen Küsten theils zu Grunde gegangen, theils verschlagen worden, doch wohlbehalten angekommen sind und uns bald von der Angst und dem Uebelbefinden der Ueberfahrt erholt haben. – Zuerst also, dass ich von allen den Leuten, an die ich empfohlen war, so wie von allen Künstlern, die ich besucht habe, auf das zuvorkommenste aufgenommen worden bin, und dass Herr Pensa vollkommen Recht hat, wenn er behauptet, die Engländer seien bei sich unendlich liebenswürdiger, als man sie auf Reisen in fremden Ländern kennen lernt. Dann, dass das hiesige Kunsttreiben grosse Contraste darbietet (die überhaupt in grossen Städten am grellsten hervortreten), dass man neben vielem Vortrefflichen und Lobenswerthen auch das Erbärmlichste zu hören bekommt, dass es sich mit Einem Worte doch deutlich zeigt, dass die Engländer keinen Beruf zur Musik und keinen wahren Sinn dafür haben. Zwar treiben sie, wie Alles, auch Musik mit Ernst, allein man merkt es ihnen, wie den reisenden Engländern in Italien bei Besichtigung der Kunstschätze und Alterthümer, bald an, dass es ihnen mehr eine Arbeit als ein Genuß ist und dass sie bgim Ende eines Conccrtes wohl: auch sagen könnten, wie jene nach einer Kunst-Besichtigung in Rom: Gottlob, das wäre wieder überstanden! Schon dass sie Concerten von vier, oft fünf Stunden Länge mit einer kurzen Pause bis zu Ende mit Aufmerksamkeit und Ernst zuhören können, beweis't, dass die Musik nicht in ihr Inneres dringe, weil sie sonst schon vor der ersten Hälfte erschöpft sein müssten. Auch dass sie am selben Abende das Herrlichste so wie das Erbärmlichste mit gleicher Theilnahme anhören, in demselben Concerte ein classisches Musikstück von Mozart und einen englischen Gassenhauer ohne allen Kunstwerth da capo verlangen können, beweist, dass sie das Gute vom Schlechten gar nicht zu unterscheiden wissen. Dass dieses übrigens nur vom gewöhnlichen Concert-Publicum gemeint ist und dass in einer Stadt von 1,200,000 Einwohnern wohl auch Einige sich finden, die eine rühmliche Ausnahme machen und denen man ein Kunst-Urtheil zugestehen kann, versteht sich von selbst. Dass ich mit dieser Ueberzeugung bei meinem ersten Debüt heute vor drei Wochen (wo ich im ersten Concerte der Philharmonischen Gesellschaft meine Scene spielte) mit grosser Befangenheit hintrat, kann ich nur durch die Gegenwart von Viotti und vieler anderen ausgezeichneten Künstler, deren vielleicht zu überspannte Erwartungen ich zu befriedigen hatte, erklären; und obgleich diese, so wie das Publicum einen grossen Beifall schenkten, so war ich doch selbst sehr wenig mit mir zufrieden und wünschte mit Ungeduld mein zweites Auftreten herbei. Heute vor acht Tagen spielte ich denn im zweiten Concerte der Philharmonischen Gesellschaft mein Quatuor brillant in E-dur mit solchem Erfolg, dass ich seit der Zeit Alles für mich gewonnen habe. Auch wurde ich am vorigen Mittwoch, wo ich zum dritten Male im Theatre Drurylane in einem so genannten Oratorium mein Potpourri in B spielte, mit solcher Auszeichnung empfangen und entlassen, wie sie selten einem fremden Künstler zu Theil geworden ist. Im dritten Concerte der Philharmonischen Gesellschaft werde ich dirigiren und als Componist mit einer neuen grossen Sinfonie in D-moll die ich gleich nach unserer Ankunft hier angefangen und vor ein paar Tagen beendigt habe, debutiren. Dass ich mich unendlich darauf freue, dieses Werk, das ich mit grosser Begeisterung empfangen und geboren habe, von einem so herrlichen nnd stark besetzten Orchester wie das der Philharmonischen Gesellschaft (28 Violinen, 12 Bässe u. s. w.) und in einem so würdigen Locale, wie der neue Saal von Argyle Rooms ist, zum ersten Male zu hören, können Sie Sich leicht denken. Später werde ich dann auch meine alte Sinfonie, so wie meine Ouvertüren, die hier noch nicht gemacht worden sind, zur Aufführung bringen.
Ob wir hier etwas Bedeutendes gewinnen werden, wird die Zukunft lehren; dass es etwas sein wird, weiss ich schon, indem ich die Kosten des Aufenthaltes schon ungefähr berechnen kann. Bis jetzt sind wir theils Beide, theils ich allein zu drei Concerten für Honorar zu spielen engagirt. Auch habe ich angefangen, Unterricht zu geben. Ob der König uns hören wird, ist noch nicht entschieden; er ist noch nicht zur Stadt zurückgekehrt. Unser Benefiz-Concert ist auf den 8. Juni bestimmt; ich hoffe ziemlichen Erfolg davon. Von den hiesigen Künstlern, die wir bis jetzt gehört haben, schreibe ich Ihnen das nächste Mal; interessant war ein Concert der alten siebenzigjährigen Mara. – Meine Veränderung an der Geige bewährt sich als vortrefflich; die hiesigen Künstler fangen schon an, sie nachzumachen. Louis Spohr.

London den 27. März 1820.

Geliebter Freund,

Absichtlich habe ich bis jetzt gezögert, Ihnen zu schreiben, um Ihnen gleich etwas Genaues über meine hiesigen Verhältnisse und über die Weise wie man hier die Kunst treibt, melden zu können. Jetzt nach einem Aufenthalt von 4 Wochen bin ich einheimisch genug, um mit Sicherheit ein Urteil fällen zu können. Sollte indessen diese Verzögerung Veranlassung gewesen sein, daß Sie durch eine Pariser Zeitungsneuigkeit, die uns bei unserer Überfahrt von Calais nach Dover umkommen läßt, erschreckt worden wären, so würde ich mir doch Vorwürfe machen, Ihnen nicht gleich gemeldet zu haben, daß wir, ob wir gleich in der stürmischen Zeit die Überfahrt wagen mußten, wo nach hiesigen Börsennachrichten mehr als 150 Schiffe an den Englischen Küsten teils zu Grunde gegangen, teils verschlagen wurden, doch wohlbehalten angekommen sind und uns bald von der Angst und dem Übelbefinden der Überfahrt erholt haben. – Zuerst also, dass ich von allen den Leuten, an die ich empfohlen war, so wie von allen Künstlern, die ich besucht habe, auf das zuvorkommenste aufgenommen worden bin und daß Herr P. vollkommen Recht hat, wenn er behauptet, die Engländer seien bei sich unendlich liebenswürdiger, als man sie auf Reisen in fremden Ländern kennen lernt. Dann, daß das hiesige Kunsttreiben grosse Kontraste darbietet (die überhaupt in grossen Städten am grellsten hervortreten), dass man neben vielem Vortrefflichen und Lobenswerten auch das Erbärmlichste zu hören bekommt, dass es sich mit einem Wort doch deutlich zeigt, dass die Engländer keinen Beruf zur Musik und keinen wahren Sinn dafür haben. Zwar treiben sie, wie alles, auch Musik mit Ernst, allein man merkt es ihnen wie den reisenden Engländern in Italien bei Besichtigung der Kunstschätze und Alterthümer bald an, daß es ihnen mehr eine Arbeit als ein Genuß ist und daß sie beym Ende eines Concertes wohl auch sagen könnten, wie jene nach einer Kunst-Besichtigung in Rom: ,Gott habe Dank, das wäre wieder überstanden!’ Schon dass sie Konzerte von 4, oft 5 Stunden Länge mit einer kurzen Pause, bis zu Ende mit Aufmerksamkeit und Ernst zuhören können, beweist, daß die Musik nicht in ihr Inneres dringe, weil sie sonst schon vor der ersten Hälfte erschöpft sein würden. Auch daß sie am selben Abende das herrlichste so wie das erbärmlichste mit gleicher Theilnahme anhören, in demselben Koncert ein klassisches Musikstück von Mozart und einen englischen Gassenhauer ohne allen Kunstwert da capo verlangen können, beweist, daß sie das Gute vom Schlechten gar nicht zu unterscheiden wissen. Daß dies übrigens nur vom gewöhnlichen Concert-Publicum gemeint ist und dass in einer Stadt von 1,200,000 Einwohnern wohl auch einige sich finden, die eine rühmliche Ausnahme machen und denen man ein Kunsturtheil zugestehen kann, versteht sich von selbst. – Daß ich mit dieser Ueberzeugung bei meinem ersten Debut heute vor drei Wochen (wo ich im ersten Concerte der Philharmonischen Gesellschaft meine ,Gesangsszene’ spielte) mit grosser Befangenheit hintrat, kann ich nur durch die Gegenwart von Viotti und vieler anderen ausgezeichneten Künstler deren vielleicht zu überspannte Erwartungen ich zu befriedigen hatte, erklären; und obgleich diese, so wie das Publikum einen grossen Beyfall schenkten, so war ich doch selbst sehr wenig mit mir zufrieden und wünschte mit Ungeduld mein zweites Auftreten herbei. Heute vor 8 Tagen spielte ich denn im zweiten Koncert der Philharmonischen Gesellschaft mein ,Quatuor brillant’ in Es-dur mit solchem Erfolg daß ich seit der Zeit alles für mich gewonnen habe. Auch wurde ich am vorigen Mittwoch, wo ich zum drittenmal im Drury Lane Theater in einem so genannten ,Oratorio’ mein Potpourri in B spielte, mit solcher Auszeichnung empfangen und entlassen, wie sie selten einem fremden Künstler zu Teil geworden ist. – Im dritten Koncert der Philharmonischen Gesellschaft werde ich dirigieren und als Componist mit einer neuen großen Sinfonie in D-moll, die ich gleich nach unserer Ankunft hier angefangen und vor ein paar Tagen beendigt habe, debütiren. Daß ich mich unendlich darauf freue dieses Werk, das ich mit grosser Begeisterung empfangen und geboren habe, von einem so herrlichen und stark besetzten Orchester wie das der Philharmonischen Gesellschaft (28 Violinen, 12 Bässe usw.) und in einem so würdigen Lokal wie der neue Saal von Argyle Rooms ist, zum erstenmal zu hören, können Sie Sich leicht denken. Später werde ich dann auch meine alte Sinfonie so wie meine Ouvertüren die hier noch nicht gemacht worden sind, zu[r] Aufführung bringen ...