Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. HCB Br 353
Druck 1: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 116 (teilweise)
Druck 2: Ferdinand Ries, Briefe und Dokumente, hrsg. v. Cecil Hill (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 27), Bonn 1982, S. 145f.

Herrn
Herrn L. Spohr
bey H W. Spohr Baumeister
in
Braunschweig


London 7 September 1819

Wohlgebohrener
Hochzuverehrender Herr!

Mit unendlichem Vergnügen bin ich beauftragt, Ihnen im Namen unserer Philharmonischen Gesellschaft Ihren letzten Brief vom 12 August zu beantworten und um so mehr, da wir Ihre Bedingniße eingehen: nehmlich Ein Honorar von 250 Guineen, und das Lokal der Phil. Gesellschaft mit Beleuchtung [zu] einem Benefize Concert im Monath May. Die Bedingniße [un]sre Seite sind folgende.
1) Sie dirigiren, oder spielen 3 oder 4 mal Solo (nicht aber immer Concerten) oder im Orchester abwechselnd in allen 8 Concerten. letzteres ist ein Gesetz für alle ohne Ausnahme im Orchester, welches Viotti, Salomon, Baillot && ebenfalls befolgen mußten.
2) Können Sie in keinem öffentlichen noch privat Concerte auftrete, ehe Sie in zwey unsrer Ph. Concerten gespielt haben, welche Ende Februar oder Anfangs März bestimmt anfangen werden: nachdem sind Ihnen aber alle Engagements ganz frey gestellt, außer in einem Supscribtion oder abonnement von mehreren1 Concerten, worin Sie ohne Bewilligung nicht spielen konnten. (Es ist weder Wunsch noch Wille von dieser letztern Bedingung besonderen Gebrauch zu machen, allein wir sind genöthiget, uns2 diese Bedingung wenigstens vorzubehalten, indem ein Opposition's Concert oder eine ähnliche Spekulation von Feinden der Ph. Gesellschaft entstehen könnte)
3) Bleibt ein Manuscribt Ihrer Komposition, welches wir auswählen können, das Eigenthum der Ph. Gesellschaft.
Ich hoffe sehr bald Ihre bestimte Annahme dieser Bedingungen zu erhalten – wozu ich nur noch fügen muß, daß wir alle mit dem innigsten Vergnügen beytragen werden, Ihnen Ihren hiesigen Aufenthalt nützlich und angenehm zu machen, damit Ihr Talent nicht nur Bewunderer sondern auch Freunde hier3 zurücklassen soll.
Mit dem Wunsche, Ihre werthe persönliche Be[kannt]schaft bald zu machen, bleibe ich mit vollkommener Hochachtung,

Euer Wohlgeb
ergebenster
Ferd. Ries
F.C. Meyer
Tho. Welsh

Meine Adresse
57 Upper Norton Street
Portland Place

Erwähnte Personen: Baillot, Pierre
Salomon, Johann Peter
Spohr, Wilhelm
Viotti, Giovanni Battista
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: London
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1819090743

http://bit.ly/2ah78lg

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Ries, 12.08.1819. Spohrs Antwortbrief vom 24.09.1819 ist derzeit ebenfalls verschollen.
Dieser Brief ist mitunterschrieben von Thomas Welsh und Frederic Charles Meyer, aber wohl im wesentlichen von Ries verfasst, der ihn auch niederschrieb.

[1] „ von mehreren” über der Zeile eingefügt.

[2] „uns” über der Zeile eingefügt.

[3] „hier” über Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.07.2016).