Autograf: nicht ermittelt
Abschrift: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), 4° Ms. Hass. 287[Philharmonic Society London:1(Spohr)
Druck: Horst Heussner, Die Symphonien Ludwig Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, Anh. S. 13 (teilweise)

Frankfurt a/m den 12ten
August 1819

Meine Herren Direktoren der Philharmonischen Gesellschaft zu London!

Auf Ihren ehrenvollen Antrag an mich „für die nächste Saison Ihrer Winterconcerte ein Engagement anzunehmen” und auf Ihre gütige Aufforderung „meine Bedingungen für eine solche Ihnen einzuschicken” habe ich die Ehre Ihnen folgendes zu erwiedern.
Obgleich ich bereits den Plan gemacht habe im Herbst nach Petersburg zu gehen, wohin ich vom Intendanten der K. Hoftheater Graf Narischkin eine Einladung so wie den Antrag zu der früher von Lafont bekleideten Stelle eines ersten Geigers der K. Hofkapelle erhalten habe1, so würde ich doch, im Fall Sie, geehrte Herren, meine weiter unten folgenden Bedingungen zu einem Engagement bey Ihnen bewilligen wollen, diese Reise noch verschieben und die 4 Monathe Ihrer Saison in London zubringen. Doch müßte ich Sie ergebenst bitten mir eine völlig entscheidende Antwort spätestens bis Ende des Monaths September nach Braunschweig unter der Adresse meines Bruders des Baumeisters W. Spohr daselbst, gefälligst zukommen zu lassen, indem ich in dem Fall, daß Sie meine Bedingungen nicht annehmen könnten, meine Reise in den ersten Tages des Octobers von Braunschweig aus nach dem Norden fortzusetzen gedenke. Sollten Sie sie aber acceptiren wollen, so ersuche ich Sie ergebenst um eine, mit der Namensunterschrift einiger der Herren Directoren versehene Zusage derselben und ich werde dann nicht verfehlen vor Anfang Ihrer Concerte d.h. bis zur Mitte des Februar in London einzutreffen.
Diese Bedingungen sind 1.) Ein Honorar von 250 Guineen, und 2.) das Locale der Philh. Gesellschaft mit Erleuchtung zu einem Benefic-Concerte im Laufe des Monaths May.
Dagegen mache ich mich anheischig:
1.) in allen 8 Concerten als Director sooft man es verlangen wird, mitzuwirken (auch, wenn es als Bedingung unerläßlich wäre) unter der Direction eines andern mitzuspielen, obgleich ich seit 15 Jahren in Gotha, Wien und hier nur dirigirt habe,)
2.) in 3 oder 4 Concerten als Solospieler aufzutreten und
3.) eine meiner neuen Kompositionen (die ich sämtlich gern zur Aufführung hergeben werde) der Gesellschaft als ihr Eigenthum im Manuscript zu überlassen.
Indem ich nun, geehrte Herren, mir hierüber Ihre gütige Entschließung unter der oben angegebenen Adresse und bis zu dem bestimmten Zeitpunkt erbitte, füge ich nur noch die Versicherung hinzu, daß ich von den hier genannten Bedingungen durchaus nicht abgehen kann2 und daß ich auf die Reise nach London verzichte, wenn die Philh. Gesellschaft sie nicht annehmbar finden sollte; obgleich es mir unendlich leid thun würde, die personliche Bekanntschaft so ausgezeichneter und berühmter Künstler wie die Herren Directoren der Ph.Ges. nicht machen zu können.

Erwähnte Personen: Lafont, Charles Philippe
Narischkin, Alexander
Spohr, Wilhelm
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Braunschweig
Gotha
London
St. Petersburg
Wien
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <St. Petersburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1819081213

http://bit.ly/2aeWeMU

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den Brief der Philharmonic Society an Spohr, 07.07.1819. Ferdinand Ries beantwortete diesen Brief im Auftrag der Philharmonic Society am 07.09.1819.
Die Abschrift stammt von Dorette Spohr.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] „kann” über gestrichenem „werde” eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.07.2016).